Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 9 (1844))

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der einen Theil oder das Ganze zahlt resp, erhält. Wemr
nun das Allgem. Landrecht demungeachtet neben der ratir-
lichen und solidarischen Haftbarkeit für die Miterben ein
gemeinschaftliches Haften vorschreibt, so kann diese Unter-
scheidung nur im Aeußerkichen, nicht im Wesen der Obli-
gation liegen. So ist es denn auch wirklich. Die Mit-
erben haften vor der Theilung in der That nur pro rata.
Es ist aber
1. der Erbschafsgläubiger verpflichtet, für die Erb-
schaftsschuld alle Miterben zusammen zu belangen-
und er kann alsdann
2. seine Befriedigung in der ungetheilten Erbmasse
suchen.
ES fragt sich nun: Können diese beiden Umstände an
der Gemeinschaft, welche unter den Miterben in Bezie-
hung auf die dinglichen Rechte, die in der Erbschaft begrif-
fen sind, besteht, etwas ändern? Wir sagen: nein.
1. In der Bestimmung, daß die Erben nur gemein-
schaftlich belangt werden sollen, liegt nur für den Gläubi-
ger eine Beschränkung in der Geltendmachung seiner Obli-
gation. Die Haftbarkeit der Erben wird gar nicht berübrt,
noch weniger kann die Gemeinschaft der dingliche» Rechte
dadurch alterirt werden.
2. Erheblicher scheint das Recht des Gläubigers, bis
zu seiner vollständigen Befriedigung, sich an die ungetheilte
Erbmasse zu halten, unbekümmert darum, ob ein einzel'
ner Miterbe seine Rate gezahlt hat oder nicht. Der Mit"
erbe, welcher seine Rate an der Schuld bezahlt hat, libe-
rirt dadurch seine Erbschaftsquote nicht, sondern muß dul-
den, daß der Gläubiger auch diese Quote für den Schuld-

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