Full text: Volume (Jg. 9 (1844))

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des rechtlichen Zustandes. Unerschütterlichkeit der res
judicat«, Trennung der Regierungs- von den Justiz,
Sachen, Unabsetzbarkeit der Richter ohne Urthefl und
Recht, Festigkeit der Justiz auch gegen den Fiskus —
alles dieses wurden Ariome in Deutschland, sorgfältig
beobachtet und gefördert von allen einsichtigen Landes,
fürsten, welche bei dem zunehmenden Verfall des Reichs
ihr Bestreben mit Recht dahin richteten, aus dem eigenen
Lande einen wohlorganisirten Staat zu machen. Brau«
denburg leuchtete auch hier allen vor.
So waren denn die Gerichtshöfe der höhern Instanz
wenigstens in wichtigen Beziehungen gut organisirt; allein
wie konnte dies zum Heile führen, wenn die erste In,
stanz im Argen lag? Diese blieb durchgehends im bun,
testen Gemisclie Magistraten, Privaten, Einzelrichtern
überlasten. Von allen Anforderungen, welche das Reich,
an ein gutes Gericht machte, fand sich hier das gerade
Gegentheil. Statt wissenschaftlicher Ausbildung, grobe
Ignoranz, worüber so viele Reichsgesetze klagen; statt
selbstständiger Stellung, gänzliche Abhängigkeit; statt
firer Besoldung, Sportulircn; statt reinen Richteramts,
Justiz, verbunden mit Administration Wie ist es mög,
lkch, daß die zweite, wenn auch noch so gut organksirte
Instanz, Allem abhclfe, was durch eine solche erste In,
stanz verdorben wurde? Und wie konnte, da eS an einem
Gerichtshöfe fehlte, von einer guten Prozeßform die Rede
sein? Das kanonische Recht drängte an sich schon zum
schriftlichen Prozeß; allein daß er die allgemeine Aus,
dehnung erhielt, daran war ohne Zweifel das verdiente
Mißtrauen gegen die unvollkommenen Unterrichter schuld.

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