Full text: Volume (Jg. 9 (1844))

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Zuvörderst ist es nach dem allgemeinen Sprachge--
brauche ganz verschieden, ob ich eine Zahlung vermuthe,
oder etwas für bezahlt achte.
Wer etwas vermuthrt, gibt dadurch eine nur vor-
läufige Annahme zu erkennen, die er aufgeben wolle,
sobald das Gegentheil sich herausstelle: er schließt den
Beweis des letzteren nicht aus. Wer hingegen etwas
für bezahlt achtet, oder, wie man auch sagt, an-
sieht, der erklärt zwar auch, daß die Sache in Wahr--
heit sich anders verhalten möge, er gibt dieses vielleicht
sogar zu, spricht jedoch zugleich aus, daß er auf den
entgegengesetzten wirklichen Zustand kein Gewicht lege,
sondern es so nehme, als wenn bezahlt wäre; ihm ge-
genüber ist ein Gegenbeweis unerheblich.
Ohne besonder» Nachweis steht nun nicht anznuehmm,
daß der Gesetzgeber vom Sprachgebrauch des gewöhn-
lichen Lebens abgewichen sei. A. L. R. Einl. §. 4L.
Thl. I. Tit. 4. §. 65. Tit. 5. §. 252. — Es läßt sich
auch Nachweise», daß daö Gesetzbuch rückstchtlich der hier
zur Frage stehenden.Begriffe an vielen andern Stellen
dem gemeinen Sprachgebrauch« treu geblieben. So be-
dient sich vor allen das A. L. R. sehr häufig der
Wendungen: „eine Sache wird für etwas geachtet — be,
trachtet — angesehen", um dieselbe als Art einem höheren
Gattungsbegriff unterzuordneu, z. B. A. L. R. Thl. I.
Tit. 2. §. 6« „je nachdem eine Sache ihrer Substanz
unbeschadet von einer Stelle zur andern gebracht wer-
den kann oder nicht, wird sie jür beweglich oder un-
beweglich angesehen."

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