Full text: Volume (Jg. 4 (1837))

die natürliche Billigkeit, das Interesse des Landes und
das Herkommen erheischen. Auch verschuldete Höfe gaben
immerhin noch einige Abfindung, wenn auch nur die
einmal herrkömmliche Natural-Aussteuer, es ist uner-
hört, daß die Kinder nichts erhalten. Auch
kann es das Interesse des Landes nicht gebieten, einen
verschuldeten Hof durch solche Harten noch etwas länger
zu erhalten; bedarf er wirklich dieser Harten als einzig
möglicher Hülfe, um noch etwas sortbestchen zu können,
so wird er cs doch nicht lange mehr machen, und wird
auch der Anerbe sehr bald die Zahl der Proletarier
vermehren. Bei Anstrengungen, guten Hcirathcn, kann
auch ein solcher Hof noch bestehen, dann kann er aber
auch wenigstens einige Kindtheile tragen, damit die Kin-
der doch nicht ganz mit leerer Hand ins Leben treten.
Sage man nicht, daß die Verpflichtung des Aner-
ben, den Mitcrben freie Wohnung und nothdürftige Ver-
pflegung, so weit sie dessen bedürfen, zu gewahren, hier
Alles wieder ansgleiche. Dieses Verhältniß ist natürlich,
wenn eine Aussteuer beim Verlaßen des Hofes im Hin-
tergrunde steht, bis dahin der Hofeserbe die Aussteuer
nutzt, also wechselseitige Ausgleichung der Interessen vor-
liegt. Allein jetzt ist das Verhältniß beiden Thcilen
lästig; die Kinder können kein: Gewerbe anfangen, auf
keinen andern Hof, überhaupt nicht füglich hcirathcn, denn
ganz ohne alle Mitgift geht das nicht; sie sind also
Sklaven des Hofes, während sie mit auch nur einiger
Mitgift sich auf solche Weise zu selbstständigen nützlichen
Gliedern der Gesellschaft bilden könnten. Dieser gezwun-
gene Cölibat ist lästiger, als der der Soldaten, der Geist-

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