Full text: Volume (Jg. 14 (1850))

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dieser Borwurf muß auch als begründet anerlaunt werden.
Daß die Verklagten die Grundgerechtigkeit durch jenen
Vertrag nicht erworben haben, ist zwar richtig, weil der
selbe nur mündlich geschlossen war, und zu Verträgen und
Erklärungen über Grundgerechtigkeiten nach
i 135. A. L. R. Thl. I. Tit. 5.
allemal schriftliche Urkunden erforderlich sind; allein die
mangelhafte Form dieses Vertrages hatte keineSwegcs die
Folge, daß die Verklagten gar nicht in den Besitz der
Grundgerechtigkeit gelangten, sondern nur, daß der Besitz
kein vollständig titulirter war.
Die gewöhnliche Verjährung war sonach allerdings
nicht zulässig, da diese nach §. 579.1. c. einen an sich
zur Erlangung des Eigenthums resp. Rechts, materiell
und formell geschickten Titel verlangt; bei der 30jährigen
Verjährung schadet dagegen der Nachweis, daß die Besitz-
nehmung ursprünglich auf den Grund eines zur Erlan-
gung des Rechts nicht geschickten Titels geschehen ist, nach
§. 628. I. c. der Verjährung nur dann, wenn dadurch
zugleich die Unredlichkeit des Besitzers dargethan wird.
Dies ist aber hier nicht der Fall, denn die Konsti-
tuirnng der Grundgcrechtigkeit war von dem Eigenthümer
des Grundstücks durch Vertrag geschehen, es lag daher
an sich ein materiell genügender Titel vor, der die Unred-
lichkeit des Besitzes schon um deswillen ansschließt, nur
formell war der Titel mangelhaft, der Besitz abe'', der
auf Grund dessen ergriffen, kein unredlicher, da nur der
ein unredlicher Besitzer ist, der weiß, daß er ans kei-
nem gültigen, d. h. materiell gültigen Titels besitzt.
§. il. A. L. R. Thl. i. Tit. 7.
Der Appellgtionsrichrer allegirt hier zwar den 8. 233.
Tit. 21. und scheint damit andcutcn zu wollen, daß. in
einem solchen Falle kein Besitz, sondern nur ein praetjiriimi

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