Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 14 (1850))

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Souverainität als einen vioclier- de bronce.* Es stand im
16. Jahrhundert bald faktisch fest, daß das deutsche Reich
in Preußen so wenig als berkömmlich in Oesterreich zu be-
fehlen hatte. Die Landstände im Innern frag man schon
lange nicht mehr, da man ihre Steuerbcwilligung auf direkte
Steuern beschränkt hielt und nun aus königlicher Macht in-
direkte einfuhrte, ohne sie zu fragen. Die östlichen Lande
hatten übrigens seit der Einwanderung deutscher Völker vym
9. Jahrhundert ab einen doppelten Sozialen, tract, wie eS
Möser nennt, die besiegten Urbewohner standen, den siegenden
Rittern re. gegenüber, die eine Art von Mittelgewalr dar-
stellten; diese zu beschränken war freilich auch wieder System
der Regierung und mußte cs sein. Seit dem Unglücke von
1806 ging man an die Auslosung dieser Verhältnisse durch
die Agrargesetzgebung, instinktmäßig mußte der Staat die
bisher gebundenen Kräfte des Landes hervorziehen und meh-
ren. Dennoch blieben die Freiheiten und Herrschastsrechte
der Ritter, der scigneurs, in den östlichen Landen bestehen.
In den Landen links der Elbe fand man tabula rasa vor,
die französisch-westfälische und sonstige Herrschaften deS
rheinischen Bundes, mit Ausnahme von Sachsen, hatten
die sachlichen und persönlichen Privilegien der Ritter zer-
stört. — Die Regierung hatte sich nun von 1815 ab über
die Elemente zu einigen, auf denen die Verfassung beruhen
sollte. Ancillon, der Lehrer unseres jetzigen Königs, schrieb
1815 sein Werk über Souverainität und Staatsverfassung,
bekämpfte die Volks-Seuverainität. Man erkannte das Be-
dürfniß, die Verfassung auf geschichtliche Grundlagen zurück-
zuführen, man fand deren vorzüglichste im preußischen Adel,
und suchte ihm nun die Wege zu ebnen. Allmählig führte
man in den westlichen Provinzen durch die Kreiöverfassungen
früher dort meist ungekannte Privilegien der Rittergüter in

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