Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 14 (1850))

ISI

verbunden, die obere und die Mittel-Gewalt im Könige ver-
einigt, stellten sehr bald einen legalen Despotismus des Kö-
nigs dar, der in Ludwigs XIV. retat c’est moi seinen
Ausdruck fand. So wie die Natur strebt, der Gewalt der
Gemeinde zur einheitlichen Spitze zu verhelfen, so wider-
spricht sie auch dem Despotismus dieser Spitze. Die fran-
zösische Revolution kam, alle Gewalt wurde gebrochen, Kirche
und Staat zerstört, der wirklich große Napoleon stellte beide
wieder her, gewählt vom Volke erkannte er eine Volksvertre-
tung an. Er ward besiegt, ihm folgten die Bourbonen,
auch Verfassung anerkennend, in zum Theil neuen Formen
gebend. Karl X. sich vor der Preßfreiheit, Louis Philipp
ließ sich den erledigten Thron übertragen. Auch er vermocht
die finsteren Mächte der Revolution nicht zu gewaltigen, der
24. Februar 1848 vertrieb ihn. — In Deutschland hatten
die Fürsten nach Erlöschen des Reichs 1806 die ReichSge-
walt mit der ihrigen verbunden, sich die Souveränität bei-
gelegt, frei nach oben, sonach auch nach unten alle hemmen-
den Schranken wcggeräumt. Nach der Besiegung Napoleons
hatte man ras gefallene deutsche Reich 1815 als deutschen
Bund hergtstellt, und die Fürsten ihren Landen nach dem 13.
Artikel der BundeSakle Verfassungen zu geben versprochen
und meist auch gegeben. Preußen hatte auch noch besonders
am 22. Mai 1815 eine Verfassung, eine Repräsentation des
Volks versprochen. Ader eS hatte hier mit großen Schwie-
rigkeiten zu ringen. Das regierende Haus harte durch suc-
cessive Erwerbungen und Eroberungen den Staat geschaffen
und mit der Reformation auch die Kirchengewalt erlangt.
Es stellte sich sehr bald, schon im 17. Jahrhundert, auf
den Standpunkt der Scuverainität, erst m Preußen, das
nicht zu Deutschland gehörte, dann auch in den deutschen
Landen. Man etablirte, Ludwig XIV. nachahmend, die

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