Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 14 (1850))

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uns daher veranlaßt, hier Einiges über unser jus publicum
zu sagen.
Die Verfassung und das Glück der Staaten besteht
in der richtigen Vertheilung der Gewalt. Diese Gewalt ist
ein geheimnißvolles Band, welches den Staat durchzieht,
und die Aehnlichkeit und Verschiedenheit jedes gegeben Staa-
tes darstellt und ausspricht. Unendlich wie das Leben ist
diese Gewalt-Verrheilung. Staaten abgerechnet, die, wie z. V.
Texas, durch Einwanderung, verbunden mit einem förmli-
chen Vertrage, entstehen, ist immer ein System von Gewalt
im gegebenen Staate schon vorhanden, ehe die Wissenschaft
darüber zur Reflexion kommt. Der Factoren der Gewalt
in Deutschland waren mehrere. Die alten Gemeinden hauen
ihre innere Gewalt, die für Recht und Ordnung wachte.
Sie hatten zugleich ihre Stammesfürsten, deren Ursprung
in die Nacht der Jahrhunderte zurücklritt, und aus denen
die Führer des Volks hervorgingen. Die Einwanderungen
der Deutschen in die römischen Lande, wo nun Sieger und
Besiegte mitsammen wohnten, die Rückwirkung der Ausge-
wanderten auf Deutschland durch die Karolinger, durch die
Kaiserwürde, brachten das Feudal-System, beruhend ans einer
Kette von Vertrügen vom Niedersten bis zum Höchsten hin-
auf, bedingt zugleich durch die Selbstständigkeit der Kirche.
Die neuere Zeit von der Reformation ab knickte in Deutsch-
land die Kirche, die Kirchen — die bischöfliche Gewalt gtng
auf die evangelischen Landesherrn über, die sich ein eigenes
jus reformandi geschaffen hauen. Geistliche und weltliche
Gewalt in Einer Hand führen sehr bald rum Despotismus.
Die Kaisergewalt war gebrochen, nur noch ein Schemen ihrer
selbst. Die Landeshoheit gewann, was die Reichsgewalt
verloren. — In Frankreich hatte der Einheits-Prozeß der
Könige die Lehnsherzogrhümer allmählig mit der Krone

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