Full text: Volume (Jg. 10 (1845))

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sondern zum Zeugniß, daß es in unseren Gerichte» keine
Willkühr gibt.
Wir kommen zur zweiten Klage. Sie lautet auf
„Entwürdigung des Richteramts." Die'se Ent-
würdigung findet Koch darin, daß man, wie er be-
hauptet, den guten Richter nach folgenden Maßstäben
mißt:
1. „nach der Menge der verbrauchten Tinte",
2. „nach dem Grade der Pedanterie und der Fertig-
keit in der buchstäblichen Vollziehung des Bureau-
Reglements",
3. „dem Grade der Eilfertigkeit, womit dir vorgelcg-
teii Sachen todtgemacht werden",
4 nach „der Kunst, der Eitelkeit die Schleppe zu
tragen".
Wir bitten den Leser, sich eine Person, wie sie
Koch hier mit wenigen groben Pinsclstrichen gezeichnet,
zunächst in Gedanken näher auszumalen und dann unter
den Richtern, die bei ihren Vorgesetzten am meisten
in Achtung stehen, umzusehen, ob sic diesem Bilde glei-
chen. Wir hoffen, sie werden wenige finden. Es hat
zwar zu allen Zeiten und in allen Ständen Menschen
gegeben, die es verstanden, über ihren wahren Werth
geschickt zu täuschen und viele Andere, die es nicht ver-
standen haben, solche Täuschung zu durchschauen. Das
war immer so, und wird wohl ewig so bleibett. Zu
de» Mitteln dieser Täuschung gehören auch einige der
Eigenschaften, die Koch hcrvorhebt; aber wem ist es
denn jemals eingefallen, diese zu Werthmcsscrn der Tüch-
tigkeit zu machen? Bei uns in Preußen, so viel wir

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