Full text: Volume (Jg. 10 (1845))

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Zit. 6. §§. 70, 71 bestimmt. Rücksichtlich der von-
Natur unschädlichen Thiere wird unterschieden, ob sie in
der ländlichen und städtischen Haushaltung gebraucht wer.
Len oder nicht. Ueber die letzteren verhält sich der §.72
und wegen der zur Haushaltung verwendeten verordnet
der §. 73:
„Bei anderen von Natur unschädlichen Thieren haftet
der Eigenthümer nur für den Schaden, welcher aus
der verabsäumten Aufsicht über sie entsteht."
Aus den in diesem Archive Bd. IX. S. 407 mit«
getheilten Rechtsfällen ist zu ersehen, welche widerspre«
chende Ansichten bei Anwendung der obigen Vorschrift
aufgestellt sind. Man hat die Entschädigungspflicht auf
den Fall beschränkt, wenn die Vernachlässigung der Auf-
sicht in der Schuld des Eigenthümers selbst liegt.
Das Geheime Obertribunal dagegen hat diese Auslegung
verworfen und bürdet dem Eigenthümer die Schadens,
erstattung auch dann auf, wenn überhaupt nur die Auf,
sicht verabsäumt ist, wenn z. B. der vom Eigenthümer
gedungene Schäfer aus Vorsatz oder Nachlässigkeit die
Heerde unbefugterweise auf ein bestelltes Ackerland hat
übertreten lassen.
Die hieraus sich bildende Streitfrage ist für jene
Gegenden, wo die Vieh« und namentlich die Schaaf-
zucht in großem Betriebe steht, und die Prozesse wegen
Abweidens sehr häufig Vorkommen, von bedeutendem
praktischen Interesse.
Ich halte die zuletzt referirte Ansicht, welche gewiß
vielen Widerspruch in den Gerichten erfahren wird, nicht
für richtig; ihre Härte ist besonders dann, wenn, wie

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