Full text: Volume (Jg. 5 (1838))

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Man bleibe zuvörderst bei dem Falle stehen, wie
er bei der obigen Entscheidung als vorliegend angenommen
wurde, bei dem Falle nämlich, daß seit der neuern Gesetz«
gebung ohne Hinzurechnung der frühern Zeit die ganze
erforderliche Verjährungsfrist abgelaufen ist. Wenn da-
Gesetz das'vererbliche Bcsitzrccht in Eigenthum verwan-
delte, der frühern Verleihung zu vererblichem Rechte
hinterher die Wirkung völliger Eigenthumö-Uebertragung
beilegte, dann war damit bei jedem, welcher sich nur
im redlichen Besitze eines solchen Rechts befand, die
causa possessionis geändert; er konnte sich mit dem-
selben Grunde Eigenthum zuschreiben, mit welchem er
sich bisher das vererbliche Besitzrccht^ zuschreiben durfte;
sein Besitz ging in den vollständigen Besitz der Sache,
in den Eigcnthumsbcsitz über und dieser neue Besitz war
zur Verjährung geeignet, eben weil nicht der Besitzer
willkührlich, sondern das Gesetz die causa possessionis
geändert hatte. Das kann daran gar nicht bezweifelt
werden, daß der Besitzer von da an durch neue Ver-
jährung die Sache selbst oder das Ei gen thum erwerben
konnte. Fragen könnte man hierbei allenfalls nur, ob
zu dieser neuen Verjährung unbedingt dreißig Jahre er-
forderlich seyn, oder ob die frühere Verleihung kn Ver-
bindung mit dem spätern Gesetze auch als Titel gelte
und somit die Ersetzung der kürzer« Zeit begründe,
worauf es in dem mitgetheilten Rechtsfalle ankam. Dar
Letztere ist anzunehmen! Die Bedeutung des Titels bei
der Verjährung kann ja nur die seyn, daß er die bona
fides, des Besitzenden vollständig begründe.
Unterholzner, ausführliche Verjährungslehre, §. 95 ff.

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