Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 5 (1838))

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des gemeinen Prozesses, und statt ihn zu verbessern, gab
man die Schuld den armen Advokaten und warf den
Prozeß stracks übern Haufen. So entsprach es der
philosophischen Richtung des löten Jahrhunderts, die
bald darauf ganze Verfassungen als unbrauchbar ver-
warf, und nach neuen suchte. Das ganze preußische
Volk ward nun im Prozesse bevormundet, ein eigentlicher
Streit der Partheien sollte aufhören, wie kn der modernen
Staatsgewalt alle Einzelrechte zusammenflossen, so war
der Richter nun auch Richter und Parthck zugleich, das
Lamm und der Löwe bargen sich friedlich in Einer Hürde.
Alle Urkunden der Partheien, alle Herzens-Eröffnungen
derselben waren dem Richter offen, er war ja jeder
Parthci : Advokat; die Assistenzrathe waren Mitglieder des
Gerichts. An Präjudize war hier kaum zu denken, da
ja der Richter nicht das Recht zwischen den Partheien
theiltc, sondern sie bevormundete. Endlose Fristen für
die Einreden und Beweismittel, Anhalten der Beistände
durch Ordnungsstrafen statt der gemeinrechtlichen Präjudize
bei rückständigen Prozeßhandluugen waren die nvthwendige
Consequenz eines solchen Verfahrens. Was die deutsche
Prozeß-Gesetzgebung von Errichtung des Reichs-Kammcr-
Gerichts biS zum jüngsten Reichsabschiede erstrebt hatte,
Präjudize und eventual Marime, war größtenteils auf-
gegeben.
Auch der philosophischste der Könige kann die Natur
der Dinge, die ewigen Gesetze des Streits nicht ändern.
Allmäblig war ma» genöthigt, wieder einen Streit an-
zuerkennen, aus den Assistenzräthen — diesen, wie Möser
bemerkte, durch , die Hsnterthüre wieder hereingebrachten

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