Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 5 (1838))

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rechte gab es im ganzen Amte nicht. Erwitte selbst,
obgleich ehemals eine villa regia mit eigenem Markt
und König-Banne (hohe und niedere Gerichtsbarkeit) ist
doch niemal zur Stadt geworden Bischof Meinwerk
von Paderborn, legte zwar großen Werth auf diese Be-
sitzung und ließ sich solche, zu den ansehnlichen Erbgütern
welche er in der Nähe, z. B. zu Böckcnförde hatte, von
Kaiser Conrad >1 1027 schenken,') allein grade die
hiedurch ins Leben gerufenen, Jahrhunderte laug fortge-
setzten Streitigkeiten, zwischen Paderborn und Cöln,
über die Territorialhoheit in diesem Bezirke, scheinen nach-
thcilig auf die politische Entwickelung des sonst so reich
und günstig gelegenen Orts gewirkt zu haben.
Eben so wenig giebt es besondere Gewohnheitrechte
im Amte Erwitte. Es bestand zwar früher eine Ob-
servanz bei den Lcibeigcn-Colonaten an der Lippe, ins-
besondere in der Herrschaft Friedharzkirchen, wo-
nach der überlebende Ehegatte das Kolonat, gegen Ab-
findung der Kinder des Anerben, in die fernere Ehe mit
herüber nahm; allein mit Auflösung des Kolonatverbandes
und bezichungweise der Untheilbarkeit der Güter, durch
die Verordnung vom 5. November 1809, verlor diese
Observanz ihren Gegenstand; weshalb sie seitdem nicht
weiter berücksichtigt worden ist. Dieselbe hatte übrigens
ihren Grund nicht sowohl in einer Art Gütergemeinschaft
unter den Eheleuten, als vielmehr in der Leibeigenschaft
und in den Verleihungrechten des Hofherrn, welcher
immer einen kräftigen Wirth aus dem Hofe haben wollte

5) Seibertz a. a. O. Nr. 20. und 24.

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