Full text: Volume (Jg. 5 (1838))

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klaffe gehörigen Forderungen beschränken. Je länger
der Erbe also mit Beantragung des erbschastlichen Li-
quidations-Prozesses zögert, desto mehr hat er es in der
Gewalt, die gesetzlichen Vorrechte zu beschränken und auf-
zuheben. Auch zufällige Hindernisse, z. B. Rückfragen
wegen des Inventars, können die förmliche Eröffnung
eines zeitig beantragten Liquidations-Prozesses lange auf-
halten. Der Erbe selbst hat hievon in allen Fällen großen
Gewinn, wo er unprivklegkrte Gläubiger bezahlt hat, somit
(A. G. O. I. 51. §. 89. Nr. 4.) nur in der Stelle,
in welcher sie zu lociren gewesen wären, liquidiren kann,
oder wenn er vollends selbst ein solcher unprivilegirter
Gläubiger des Erblassers ist, denn natürlich wird die
letzte Classe um so ertragreicher, je mehr Forderungen
aus den privklegkrten Classen ausfalle». Der Erbe hat
daher häufig ein großes Interesse, die Eröffnung des
erbschastlichen Liquidations-Prozesses zu verzögern, und er
ist den bcnachtheiligten Gläubigern nicht einmal für diese
Verluste verantwortlich, da der §. 453. A. L. R I. 9.
nur von den Nachtheilen handelt, die vorzügliche Gläubiger
durch Zahlungen an minder vorzügliche leiden, nicht
aber davon, daß sie durch Verlauf der Zeit ihr
Vorrecht selbst verlieren. Selbst durch Entlassung de-
Gesindes vor eröffnetem Liquidations-Prozesse kam der
Erbe ihm sein Vorrecht entziehen, da dies Dorrcch: nach
§. 370. nur die zur Zeit des eröffneten Concuffes kn
Lohn stehenden Domestiken u. s. w. haben.
Diese, selbst durch Wachsamkeit des Gläubigers,
— da die Fristen der §§. 59. 60. A. G. O. I. sich
sehr lange hinziehen — oft gar nicht abzuwendende RechtS-

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