Full text: Volume (Jg. 13 (1848))

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ben Schmerzen nicht für den einen, rer ven Arzt am Orte
hat, minder bedeutend sein, als die des ankern Verwun-
deten, der den Arzt erst von einem andern Orte kommen
lassen muß. Man könnte auch entgcgnen, daß rer Rich-
ter diese Fälle bei der Arbitration, die sich zwischen einer
Hälfte und dem doppelten Betrage der Kurkosten bewegt,
berücksichtigen, man also die Reisekosten ganz gut als
Grundelement anncbmcn könne. Allein die Reisekosten
sind oft so bedeutend, daß die Schmerzengeldcr, selbst nur
nach der Hälfte der Kur- und Reisekosten gerechnet, bei
weitem mehr als das Doppelte der Kurkosten betragen
würden.
•i.
UebrigenS ist die Beschränkung des SchmerzengeldeS
auf Personen vom Bauern- oder gemeinen Dürgerstande
eine unnütze Vornehmigkeit der Gesetzgebung, die jenen
Ständen gemeine Gesinnungen zutraute, weßhalb denn
auch das, unbegreiflicher Weise noch immer bestehende
Verbot der Ehen des Adels mit Fraulcuten aus den gedach-
ten Ständen (A. L. N. Tbl. II. Tit. 1. §. 30 — 33) eine
Verballhornung des geschichtlich nicht ganz unbegründeten
Stolzes des Adels auf reine Abstammung in Beamten-
dünkel — erlassen sein wird. Das Wehrgeld ist uralt
historisch und stieg gerade mit dem Stande des Verletzten.
Man kann cs diesem füglich überlassen, ob er es behalten,
oder, waö meist geschehen wird, öffentlichen Anstalten
überweisen wird. Der Verbrecher aber verdient kein Mit-
leiden, und der Staat ist nicht berufe», den Vormund
für die Ehre des Verletzten zu spielen. Die Unterschei-
dung muß schon darum eben so wie bei den Injurien-
strafen wegfallen, weil man die dadurch unterschiedenen
Stände in der Wirklichkeit immer schwerer abmarken kann.

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