Full text: Volume (Jg. 13 (1848))

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«tan bei einem solchem neuen Verfahren sorgen, daß sich
leine Abweichungen vom Gesetze einschlrichen; so soll es Ge-
richte — aber nicht hier — geben, wo die Richter i»S Be-
rathungSzimmer gehen, ehe das Protokoll der Sitzung aus-
genommen und genehmigt ist, so daß die Vorlesung des
inzwischen aufgenommenen Protokolls mit der Urtelspublika-
tion zugleich erfolgt. Wie kann ein Anwalt, der feine
Stellung kennt, dergleichen zugeben! Was können ihm
nachher alle Remonstrationen gegen das Protokoll, gegen
Auslassungen oder falsche Auffassungen helfen, wenn das
Urtel schon fertig ist! So ein neues Gesetz muß ganz
rein ausgeführt werden. Die Zeit, die man durch die
Redaktion und Vorlesung des Protokolls vor der Urtels-
faffung verliert, — worum eS allerdings den Gerichten,
wo ein solcher Brauch einschleicht, bloS zu thuen — ist
für die gründliche^. Rechtsprechung keine verlorne. — Und
wie schnell haben wir vom höchsten Gerichtshöfe, dessen
Mitglieder nicht mehr durch das doppelte, ja vierfache Re-
ferirm erschöpft werde», ein gründliches Erkenntniß! Wie
schnell erfahren wir die Ansichten des höchsten Gerichts-
hofs durch^die^mit der juristischen Wochenschrift verbundene
Gerichtszeitung! — Das neue Verfahren hat seine
Probe trefflich bestanden. Die ganze Roth von Mai-
Eitzungen über überjährige Prozesse, über gelbe Bezrttelung
derselben u. s. w. fällt weg.
Wie lange wird es noch dauern, ehe das übrige Deutsch-
land sich eines so natürlichen, raschen und zugleich so gründ-
lichen Verfahrens erfreut! Z. B. Hannover mit seinem
auf den gemeinrechtlichen Prozeß geflickten Preußischen
Status, mit der Superfötation einer mündlichen Verhand-
lung über diesen status, nachdem man lange genug ge-
schrieben — Hannover und Baiern mit ihren Justiz- und
Verwaltungsbehörden in erster Instanz! — Selbst Baden,

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