Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 13 (1848))

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Unterschrift verrichtet zum Zeichen, daß Liese den ihr be-
kannt gemachten Inhalt der Verhandlung genehmigt habe.
Diesen Erfordernissen entspricht auch die hier in Frage
stehende Verhandlung.
Die unter der Verhandlung von der Witwe Sauer
gezogenen Kreuzzeichen sind von dem Weber attestirt,
er hat also die Verhandlung unterschrieben und, wie dir
Verbindung seiner Unterschrift mit dem Kreuzzeichen der
Witwe Sauer ergibt, für dieselbe. Daß er zu diesem
Zwecke zugezogen ist, folgt aus der Handlung selbst. Ueber
den Kreuzzeichen findet sich der Vermerk des Richters:
„v. — g. — u.," vorgclescn, genehmigt, unterschrieben.
In Folge der Vorlesung und Genehmigung ist also die
Unterschrift erfolgt und indem nun der Weber die zum
Zeichen der Genehmigung nach erfolgter Vorlesung gezo-
genen Kreuzzeichen bescheinigt und seinen Namen hinzusetzt,
wird beurkundet, daß er diese Vorlesung und Genehmigung
selbst wahrgenommen habe. Nun meint aber Kläger unter
Bezugnahme auf Autoritäten, namentlich Entscheidungen
des Geheimen Obertribunals, daß, weil im Protokolle selbst
nicht geschrieben siebe, daß Witwe Sauer Schreibens un-
erfahren, daß man ihr eröffnet, sie möge einen glaubhaften
Mann wäblen, ferner nichts darüber gesagt sei, ob der
Weber in Folge solcher Wahl oder in Folge deren Wei-
gerung und Ueberlassung der Wahl an den Richter zuge-
zogcn sei, ferner nicht, ob er zu Anfang der Verhandlung
zugezogen sei, und ob wenigstens die.Vorlesung und Geneh-
migung des Protokolls in seiner Gegenwart erfolgt sei,
daß die gesetzlich vorgcschriebene Form verletzt und dir
Verhandlung unverbindlich sei.
Diese Ansicht ist jedoch nicht richtig. Es ist oben schon
bemerkt, daß eS nicht erforderlich erscheint, daß der glaub-
hafte Mann zu Anfang der Verhandlung erwählt oder zu-

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