Full text: Volume (Jg. 13 (1848))

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entweder auf das gelobte Land, auf den Tempel und
den Gottesdienst in demselben, oder auf das hohe Ge-
richt zu Jerusalem, eine unmittelbare Beziehung haben,
z. B. diejenigen göttlichen Verordnungen, welche den
Landbau, die Abgaben von den Landfrüchten, die Opfer
und die Reinigung betreffen, ferner die Leibes - und
Lebensstrafen, Gcißelzucht u. s. w., welche alle seit Zer-
störung des Tempels und Aufhebung des hohen Gerichts
von selbst aufgehört haben. Alle übrigen in der Schrift
vorkommenden Gesetze und Verordnungen werden von
uns als Befehle Gottes in immerwährender Verbindlich-
keit gehalten."
Da im vorliegenden Falle keine der gedachten Aus-
nahmen vorhanden ist, so mußte auch das Gesetz wegen der
Erbfolge der Töchter Anwendung finden. Ob dies bisher
in Vormundschaftssachen beim hiesigen Land- und Stadt-
gericht befolgt ist, oder nicht, ist ganz unerheblich, da hier
von keinem Gerichtsgcbranch, sondern von einem definitiv
bestehenden Ritualgesetze die Neve ist. Uebrigens könnte
aber auch die Vernehmung der Mitglieder des erwähnten
Gerichts,'wie Klägerin sie vorgeschlagen, nichts beweisen,
da Körbccke erst seit 1838 dessen Bezirk unterworfen ist,
auch die vorgeschlagencn Zeugen Direktor von Schilgen
und Land- und Stadtgerichtsrath Kisker erst seit 20
i 'jsp. 12 Jahren im hiesigen Departement fungircn. Daß
ein solches Nitualgcsctz unter den Juden überhaupt besteht,
erklärt auch Michaelis in seinem Mosaischen Recht Bv.
2. §. 78. S. 77. 78. und Danz a. a. O. S. 221.
als ganz unbestritten anerkannt. Es steht also der
Klägerin kein Erbrecht zu; sie konnte also die Ergänzung des
Pflichttheils nicht fordern und mußte deshalb abgewieseu
werden. Damit fallt zugleich ihr Anspruch auf Legung
eines Inventars, welches nach der A. G. O. Thl. l. Tit.

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