Full text: Volume (Jg. 13 (1848))

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Die Gesetze und Rcligionsgebräuche der Juden gründen
sich theilS auf das schriftliche in den 5 Büchern Moses
enthaltene Gesetz, theils aber auch auf das sogenannte
„mündliche Gesetz." Letzteres ist entstanden theils durch
nähere Bestimmungen des schriftlichen Gesetzes, welche
durch mündliche Tradition von Moses herrühren, theils
durch spätere Kommcntationen der Schriftgelehrten, theils
endlich durch Satzungen der Propheten oder anderer großen
Männer, welche von der ganzen Nation angenommen sind,
cf. Einleitung zu den Ritualgesetzen der Juden von Hir-
sche! Lewin, so wie Danz Kommentar zu RondeS deut-
sches Privatrccht §. 636.).
Dieses mündliche Gesetz ist dann kodifizirt zunächst in
der sogenannten Misch nah (im 2ten Jahrhundert nach
Christi Geburt) und in den beiden Gemara's der soge-
nannten Jrrusalemischen, welche etwa 50 Jahre und in
der sogenannten Babylonischen, welche etwa 200 Jahre
später abgefaßt ist.
Aus der Zusammenstellung der Mischnach und der
Gemara ist dann der Talmud entstanden, welcher noch
jetzt für den Juden als geltendes Gesetzbuch darsteht. In
heutiger Zeit richten sich die Juden jedoch meistcnthcils
sowohl in Cwil- als Ritualsachen nach einem Werke,
welches im 16. Jahrhundert nach Christi Geburt verfaßt
ist, dem sogenannten Schulchcn Aruch, welcher blos
diejenigen Gesetze und Gebräuche umfaßt, welche für die
neuen Verhältnisse der jüdischen Nation noch von Bedeu-
tung sind. Alle diese Quellen der jüdischen Ritualgcsetze
sind in hebräischer Sprache geschrieben. Eine Zusammen-
stellung derselben in deutscher Sprache, welche als eine
authentische und bei richterlichen Entscheidungen überall
anwendbare zu betrachten wäre, gibt cs nicht.

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