Full text: Volume (Jg. 2 (1836))

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nach der Ausführung des Appellations-Richters in ein-
zelnen Fällen allerdings möglich sind. Der Gesetzgeber
setzte also allerdings gewissermaaßen eine» Normal-Men-
schen in der Person des Nachbars, also weder einen
Riesen, noch einen Zwerg, so wie einen Normal-Bau
voraus. — Es läßt sich aber nun keineswegs sagen, das
Allg. L. R. wolle, in Beziehung auf das Erblicken des
Himmels den bereits zehn Jahre bestandenen Zustand fer-
ner gegen Neubauten in statu quo sichern, indem es
weder die Gewährung desselben Lichts, noch in gleichem
Umfange verlangt; sondern die Möglichkeit, den Himmel
aus den ungeöffneten Fenstern des ersten oder zweiten
Stockwerks erblicken zu können, nur deshalb als Maaßstab
ausgestellt hat, weil unter diesem Verhältnisse daS Gebäude
nach technischem Gutachten hinreichend Licht behalte. —
Der Gesichtspunkt der Sache dürfte daher folgender seyn:
Wer zehn Jahre oder länger das erforderliche Licht ist
seinem Hause gehabt hat, dem soll eö auch durch einest
Neubau des Nachbars nicht ganz entzogen werden; er
hat aber präsumtiv nur das erforderliche Licht, wenn er
auf die bemerkte Weise den Himmel erblicken kann. Weil
hierin eine Beschränkung deS Eigenthums des Nachbars
liegt, so ist diese Vorschrift in dem einzelnen Falle so zu
nehmen, daß die Freiheit des nachbarlichen Eigenthums
so wenig alS möglich angetastet wird; die Interpretation
ist daher eine restrictive. Allein da die Annahme des
Natürlichen und Gewöhnlichen bei jeder Interpretation
vorgrht, so genügt es nicht, daß der Nachbar auf irgend
eine Weise den Himmel aus der» ilngeöffneten Fenstern
erblicken kann; sondern er muß auf diese Weise den H>m-

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