Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 16 (1854))

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Die in dem §. 9. bestimmte Successions-Ordnung
soll nach dem eben mitgetheilten Eingänge dieses §- nur
dann zur Anwendung kommen, wenn der Erblasser keine
Anordnung wegen der Nachfolge getroffen und darüber eine
freie Vereinigung unter den Erben nicht statt findet.
Zunächst also muß eine solche Vereinigung versucht
werden. Bevor dieses geschehen, ist eine Uebcrtragung des
Anerbenrechts auf einen bestimmten Miterben nicht denk'
bar. Der verstorbene Sohn des Klagers würde auch in
Entstehung einer Vereinigung zu seinen Gunsten unzwei-
felhaft Anerbe geworden sein, wenn er am Leben geblie-
ben wäre. Ihm würde dann das Gut zugefallen fein, und
dadurch wäre er Eigenthümcr geworden, so lauge aber
diese Zutheilung, sei eö durch Vereinigung oder Richter-
spruch nicht erfolgt ist, ist daö Eigenthum nicht erworben.
Eine Vererbung deS AnerbenrechtS als solchen istgesetzlich
nicht zulässig, denn wenn dieses, wie Kläger will, nach den
Regeln der Jntestaterbfolge geschehen sollte, so erbten im
vorliegenden Falle der Vater mit den Schwestern das An-
erbenrecht, d. h. auf sie wäre daö Anerbcnrecht über-
gegangen, oder mit andern Worten sie wären jetzt die An-
erben, bann hätte man aber statt eines Anerben fünf.
Das Gesetz will aber nur einen Anerben. Daraus
folgt also das; eine Vererbung des AnerbenrechtS unmög«
lich ist, daß mithin, wenn das Anerbenrecht auf Kläger
soll übergehen können, dem Sohne Peter daö Eigenthum
des Guts schon anheim gefallen gewesen sein müsse. Dies
aber kann, wie schon bemerkt, nur durch die Zutheilung
geschehen, denn so lange bleibt das Gut gemeinschaftlich.
Dies ergibt sich daraus, daß die Erben durch freie Ver-
einigung den Annehmer des Guts bestimmen können. In
dem §. 5. deS Gesetzes findet dies auch seine Bestätigung.
Dieser §. sagt:
'-Wenn eine den Bestimmungen deS Gesetzes unter-

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