Full text: Volume (Jg. 16 (1854))

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In den Ländern, welche deutsche Nechtsbücher haben, ken-
nen wir so gut wie kein deutsches Privatrecht; freilich sehr
natürlich, da der Kampf gegen das römische Recht, neben dem
das deutsche, soviel davon erhalten, früher nur als usus moder-
nus anerkannt ward, längst ausgetragen, das Lebensfähige beider
Rechte in der Gesetzgebung aufgegangeu, und nur noch historischen
Werth hat. So haben wir denn auch eine solche in Preußen
da, wo das Landrecht cingeführt ist, nicht, außer wo die 3 ersten
Titel des I!. Theils — die vorzüglich germanische Zustände be-
rühren — suspendirt sind. Ob diese Entfremdung unsrer Ge-
setzgebung vom gemeinen deutschen und römischen Rechtsstamme
für die Wissenschaft von Vortheil gewesen, ist oft, und wohl
nicht mit Unrecht, bezweifelt worden, obgleich auf der anderen
Seite nicht zu läugnen, daß ein erkennbares ureignes Recht des
Staates ein großes Gut ist.
Daß wir hier, die Vortrcsflichkcit bskdcr Werke anerken-
nend, nicht ins Einzelne eingehen können, spricht von selbst. Daß
sie in vielen Punkten auseinander gehen, ist gerade kein Unglück.
So ist z. 33., um nur Eins anzuführen, bei der alten Frage, ob
ein Familien-Fideicommiß durch die Ucbereinstimmung der leben-
den Interessenten, nach Anhörung eines CuratorS der nngebornen
Nachfolger, aufgehoben werden könne, Gerber (§. 84.) für die
verneinende, Bluntschli (§. 68.) für die bejahende Meinung,
Durch beide Werke hat die Wissenschaft gewonnen, keinen
Freund von Theorie und Praxis werden sie unbefriedigt lassen.

Druck der Curth'schen Buchdruckerei in Amsberg.

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