Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 16 (1854))

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Sie folgern hieraus- daß die Bedenkfähigkekt der übrigen außer-
ehelichen Kinder, gleich fremder Personen gar nicht beschränkt sei
und die singuläre Borschrist des §. 2. Cap. 12. der Novelle auf
sie um so weniger angewandt werden könne, als diese Vorschrift
nur zur Abwendung und in odium der Concubinate erlassen
worden sei, was auch in Folge des dabei eintretenden Zusam-
menlebens der Concubine und ihrer Kinder mit dem Vater weit
gefahrdrohender für die ehelichen Kinder, als das Verhältniß zu
den spuriis gewesen sei. Diese Folgerung wird dagegen von
den Vertheidigern der anderen, in der Praxis herrschend gewor-
denen Meinung bestritten, weil, nachdem das Conclrbinat verboten
worden, die aus der Stupration hervorgegangenen Kinder im
Verhältniß zu den ehelichen Kindern nicht bedenkfähiger, erachtet
werden könnten, als die Cöncubinenkinder aus dem unerlaubten
Concubinat. Zur Unterstützung dieser Ansicht ist auch noch Fol-
gendes geltend zu machen. - . - ' ■
Wenn man auch zugeben muß, daß eine ausdrückliche Vor-
schrift über die Bedenkunsähigkeit der unehelichen Kinder', 'außer
den liberis naturalibus und den Kindern aus unerlaubten ehe-
ichen Verbindungen, im Nöm. R. nicht nachzuweisen.' ist, - daß
dieselben vielmehr mit Stillschweigen übergangen sind/ so ist doch
der Grund hiervon keineSweges darin zu finden, und wenigstens
im Gesetz nirgends angedeutet, daß die Cöncubinenkinder den
ehelichen leichter gefährlich werden könnten. Der nächste Grund
lag vielmehr darin, daß solche Kinder nach römischen Rechtsbe-
griffen gar keinen Vater hatten , oder man ihn doch nicht als
solchen bezeichnen und feststellen konnte (L. 11. 12. J. 1. 10.
L. 23. 24. I). I. 5.) Im §. 5. cap. XII. der Novelle 89.
wird auch als Grund dafür, daß,, wenn der Erblasser mehrere
Concubincn zugleich und Kinder davon hinterließ, diese von den
Bestimmungen des Gesetzes ausgeschlossen bleiben sollten lwaS
freilich zunächst auf das Jntestaterbrecht zu beziehen ist) angege-
ben, weil sich sonst nicht erkennen lasse, welches Weib und welche
Kinder er am meisten geliebt habe: „et von ckamus luxarian-
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