Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 16 (1854))

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born, Kirche und Pfarrer ausser Stande, irgend einen Beitrag
zu jenen Reparaturkosten zu leisten. Deshalb hat das Kirchspiel
Remlinghansen' auf Grund, der ordinatio Clcineniina vom 28.
August 1715 den Königlichen Negierungsfiskus als Nachfolger
des Klosters Grafschaft und den Gutsbesitzer Heinrich Schulte in
Drasenbeck als decimatores majores im Kirchspiele Remling-
hausen auf Beschaffung jener Reparaturkosten gerichtlich in An-
spruch genommen. Beide Verklagte haben jedoch bestritten, im
Kirchspiele Remlinghausen einen Großzehntcn zu beziehen. Der
Richter erster Instanz hat das klagende Kirchspiel mit seiner Klage
gegen beide Verklagte zurückgewiesen, indem angenommen wurde,
daß das Klagefundament nicht erwiesen sei.
Kläger hat appellirt, sich jedoch ausser Stande erklärt, nach-
zuweisen, daß der Gutsbesitzer Schulte in Drasenbeck ebenfalls
decimator major sei, er hat deshalb seine Appellation nur gegen
den Königlichen Regierungssiskus verfolgt und beantragt, diesen
als einzigen deeimator'major im Kirchspiele Remlinghausen zur
Beschaffung der in Rede stehenden Reparaturkosten zu verurthei-
len. Um jedoch den Königlichen Fiskus in den Stand zu ver-
setzen, eine Mithaft des re. Schulte in Drasenbeck nachzuweisen,
wurde gegen diesen ebenfalls vorsorglich die Appellation angemel-
det, später aber, da Fiskus dem Kläger keine Gelegenheit bot,
seinen Anspruch gegen den re. Schulte zu fundiren, definitiv zurück-
genommen. In zweiter Instanz sind neue Beweismittel darüber
producirt, daß das ehemalige Kloster Grafschaft, jetzt der König-
liche Regierungssiskus den Großzehuten im Kirchspiele Remling-
Hausen wirklich zu beziehen habe. Fiskus hat die Abgaben, welche
er dort zu erheben hat, als gewöhnliche KolonatSabgaben bezeich-
net, und ihnen die Eigenschaft eines Großzehnten abgesprochen,
er hat eventuell behauptet, daß, wenn jene Abgaben früher die
Natur deS GroßzehntenS gehabt haben sollten, dieselbe schon vor
Publikation der ordinatio Clemeniina vom 28. August 1715 in
eine fixirte Geld- und Korn-Abgabe verwandelt und deshalb den
Bestimmungen der Clcraentina nicht unterworfen sein. Es kann

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