Full text: Volume (Jg. 16 (1854))

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also nicht das Recht hat, eigenbeliebig zu bestimmen, daß das eine
Grundstück verkauft und das andere von der Subhastation frei
bleiben soll, hat daher auch kein Recht, das eine oder das andere
Grundstück der Pfandhaft zu entlassen; denn sonst wurde in ein
solches Verfahren implicite für den Gläubiger die Berechtigung
gelegt sein, festzusehen, welches Grundstück er eigenbeliebig ver-
kauft haben wolle, wodurch widerrechtlich in die Rechtssphäre des
EigenthümerS eingegriffen würde.
Da nach dem Vorgetragenen der Gesetzgeber hinsichts der
Veräußerung verpfändeter Grundstücke keine andere Bestimmun-
gen machen kann, als welche in Betreff beweglicher Sachen gege-
ben sind, so wird auch nach §. 204 der Richter nach seinem Er-
messen zu bestimmen haben, welches von drei Grundstücken zuerst
zum Verkaufe kommen soll, wem von Seiten des Schuldners hier-
über keine Anzeige erfolgt. — Wenn der §. 201 bestimmt, daß
nur so viele von den Pfandstücken verkauft werden dürfen, als
zur Befriedigung des Gläubigers erforderlich sind, so ist hier nur
von „dürfen" nicht von „sollen" die Rede. Wenn also mehrere
für sich bestehende Grundstücke unter sich in einem solchen land-
wirthschaftlichen Verhältnisse stehen, daß bei dem Verkaufe der-
selben zusammen weit mehr herauskommen würde, als wenn sie
einzeln-verkauft würden, so kann der SubhastationSrichter den
Antrag des EigenthümerS, den Gefammtverkauf der Grundstücke
zu veranlassen, deshalb nicht ablehnen, weil das eine schon aus-
reichend zur Deckung der Forderung sein würde. — Auch ein
solcher Antrag des Gläubigers würde berücksichtigt werden müssen,
wenn er Nachweisen kann, daß er seine Forderung nicht gänzlich
berichtigt erhalten könnte.
Wenn das Rescript vom 23. März 1810 sich dahin auS-
spricht, daß der Richter bei erfolgter Verpfändung mehrerer Grund-
stücke für eine Schuld arbitriren solle, aus welchem mit höchster
Wahrscheinlichkeit die Forderung bei dem Verkaufe werde berech«
tigt werden können, und daß er alsdann nur dieses taxiren und
verkaufen solle, so ist diese Anweisung hinsichts des Schuldners

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