Full text: Volume (Jg. 8 (1843))

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Tie hier allegirten Bestimmungen über den Erwerb
der Rechte aus Verträgen durch Tritte enthält auch
das gemeine Recht, und doch kommen bei Prädial,
Servituten dem Besitzer des herrschenden Grundstücks,
selbst Handlungen solcher Personen zu Statten, die zur
Stellvertretung keinen Beruf haben. So z. B. wenn
Jemand, der in gar keinem nähern Verhältnisse zu mir
steht, sich eines von meinem Grundstücke aus durch das
Grundstück eines Andern führenden Fußpfades bedient.
L,, 1. §. 7. L. 3. §. 4. D. de itinere 43. 19.
„Uli videmur servitutibus etiam per ser-
vos, vel colonos, vel amicos, vel etiam
hospites, et fere per eos omnes, qui no-
bis retinent servitutes.“
Ünterholzner, §. 194.
Göschen, Vorlesungen II. S. 265.
Ist dies nun nach A. L. R. anders, so hört nicht
nur bei verpachteten Gütcru, sondern fast überhaupt
jeder Besitz einer Prädial-Servitut auf, denn wer giebt
seinem Ackerknecht nnd seinem Hirten eine schriftliche
Vollmacht, für ihn den Besitz zu ergreifen und aus,
zuüben?
Nur für die kleinen Gutsbesitzer wird noch Heil
bleiben, welche weder Gesinde noch Tieustleute haben.
Wie unpraktisch dies Alles ist, liegt auf der Hand.
Das A. L. R. Thl. I. Tit. 7. §. 45 enthält zwar
die gefährlich klingende Bestimmung:
„Nur in so fern Rechte durch die Verträge eines Andern
erlangt werden können, kann auch der Besitz durch
die Handlungen eines Andern erworben werden."

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