Full text: Volume (Jg. 8 (1843))

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Die Annahme, daß in Arnsberg Gütergemeinschaft
gelte, setzt demnach voraus, daß das dortige eheliche
Güterrecht sich auf eine Weise entwickelt habe, welche, ,
trotz der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen, welche wir
an jenem Institut in Deutschland wahrnehmen, ohne
Beispiel ist. Fänden sich aber auch die dotalrechtlichen
Rechtssatze, welche in Arnsberg unbestritten Geltung
haben, hier oder dort einzeln in Verbindung mit der
Gütergemeinschaft vor, so bliebe es doch immer unbe-
greiflich, wie das Arnsberger Güterrecht ge-
rade die gröbsten Inkonsequenzen fremder
Statuten in sich vereinigt hätte. Das Schwie-
rige und Bedenkliche einer solchen Vereinigung wird
dann auch von den Vertheidigerq der Gütergemeinschaft
keineswegs verkannt; man fühlt, wie gewagt die Hypo-
thesen sind, deren man bedarf, um das bestehende
Recht unter jenen Begriff zu fassen und versucht des-
halb auch auf einem zweiten Wege ihm Geltung und
praktische Anerkennung zu verschaffen. Das Institut der
Gütergemeinschaft, so wird behauptet, habe jedenfalls,
wie sich aus dem Erbrecht der Ehegatten und der Thei-
lung mit den Kindern ergebe, früher in Arnsberg
eben so wie in vielen anderen westphälischen Städten
bestanden; die früher bestandenen Normen seien aber
durch eingrdrungene römische Doktrinen hie und da
durchlöchert und es sei Aufgabe der Praxis, die rin-
grschlichenen Inkonsequenzen auszumerzen und der alten
ehelichen Gütergemeinschaft wieder volle Anerkennung zu
verschaffen.
Seibertz, a. a. O. S.- 271.

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