Full text: Volume (Jg. 7 (1841))

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facher Verkrüppelung des natürlichen Rechtsgefühls des
Volks, durch Gewalt der Herren und Verdrehung der
Juristen, die Leibeigenschaft in den Hochlanden so wenig
Grund gefaßt hatte, als daß man sie in den Niederun-
gen deS Hellweges, so erträglich hat finden können, wie
es in der That geschehen kst.^)

**) Hier noch eine Anekdote. Der Verfasser traf vor einiger
Zeit, auf einer Reise, mit einem betagten Landmanne, von
altem Schroot und Korn, zusammen; der im Verlaufe
des Gesprächs eben so originelle als gesunde Ansichten,
freilich in etwas derber Art, über die jetzige Zeit und
ihre Verhältnisse, besonders so weit sie seinen Stand be-
rührten, entwickelte. Er war, wie fast alle seine Genossen,
gegen das rücksichtlose Zerreißen der Höfe, so wie gegen
die Reductio» aller Natural-Leistungen in Geld, wodurch
seiner Meinung nach, der Bauer, der sich sonst nur der
Juden zu erwehren gehabt, in die Hände zahlloser Gläu-
biger geliefert werde, deren Befriedigung ihm am Ende
unerschwinglich sey; weil er von Geldgeschäften nichts ver-
stehe und eigentlich nichts verstehen solle. Dagegen war
er mit der neueren Untheilbarkeit der Höfe, aus Gründen
deren Entwickelung unS hier zu weit führen würde, gar
nicht einverstanden und als eine große Wohlthat des Bauern-
standes prieö,er, daß derselbe — er sprach von seiner nächsten
Umgebung — nicht mehr mit der klösterlichen Gutsherr-
schaft, sondern mit dem Stentamte zu schaffen habe. Dieses
gehe zwar scharf mit dem Bauer zu Werke, aber auch
gerade durch. Cs sage gleich was es fordere und for-
dere nicht mehr als es dürfe. Das Kloster aber habe
durch Borgen, ohne Schenken, den Bauer nur faul und
verschuldet gemacht und am Ende zu Anerkenntnissen ver-

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