Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

Nachlese zur Unmöglichkeitslehre.

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an das subjektive Privatrecht herangetragen. Geschieht dies
aber, dann ist die Zwangsbefugnis eben nicht immanent, fehlt
der organische Zusammenhang zwischen subjektivem Privatrecht
und Rechtsschutzanspruch, fehlt es insbesondere an dem Nach-
weis der inneren Notwendigkeit, daß keines ohne das andere
leben und bestehen kann, haben wir nicht organische Einheit,
sondern ein rein äußerliches Nebeneinander, das als solches
wohl die Regel sein kann, niemals begrisfsnotwendig ist.
Dies letztere ist aber das allein Wertvolle. Darum
kann schon jetzt gesagt werden, was 1u extenso aus dem
Folgenden hervorgehen soll, daß nämlich alle dualistischen
Theorien, wie sie auch formuliert sein mögen, versagen, und
daß hiervor auch die Aufstellung eines solchen Begriffes wie
materielles Iustizrecht nicht schützen kann. Wenn ausnahms-
los jedes Privatrecht eine Zwangsbefugnis enthält, liegt ein
Begriffsgesetz vor, nicht aber eine bloße Regel. Die dualistischen
Theorien können dies Begriffsgesetz aber nicht liefern. Dann
bleiben nur drei Möglichkeiten, die monistische rein zivilrecht-
rechtliche Theorie, der besonders Hölder immer wieder zu-
gefteuert ist, oder die Leugnung jedes Rechtsschutzanspruches,
die allerdings wesentlich auf anderen Gründen beruht, oder
— und dies ist die letzte, bisher noch gar nicht versuchte Mög-
lichkeit — eine rein öffentlich-rechtliche Auffassung des so-
genannten Privatrechtes, die also zu einer monistischen
öffentlich-rechtlichen Theorie führt. Auch von ihr
kann man sagen, daß ihr Hölder und Weismann zu-
streben, aber ihre Lehren haben die privatrechtlichen Eierschalen
der früheren Theorien nicht abstreifen können und darum können
auch sie uns nicht von den Halbheiten und Widersprüchen be-
freien, an denen alle bisherigen Theorien kranken. Dies soll
nun im folgenden bewiesen werden.
4. Um in dieser Frage Klarheit zu erlangen, ist vor allem

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