Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

2

Krückmann,

Impossibilium nulla obligatio. Hiergegen
richtet Rabel seinen Hauptangriff und lehrt, es sei ein Irr-
tum, anzunehmen, daß eine Verpflichtung auf eine unmögliche
Leistung schon kraft logischen Zwanges unmöglich sei. Dies
sei immer nur eine Bestimmung des positiven Rechts, die darum
an sich auch anders sein könnte, ohne mit der Logik in Wider-
spruch zu geraten. Nabels Formel und Grund ist, die Ver-
pflichtung sei ein Leistensollen und dieses Leistensollen als
juristischer Befehl sei auch dann logisch möglich und daher
ohne logischen Widerspruch denkbar, wenn die Leistung unmög-
lich sei. Soweit das bloße Leistensollen in Frage kommt, hat
Rabel sicher recht. Richtig ist auch seine Polemik gegen die
von ihm vorgelegten Versuche, die logische Unmöglichkeit eines
auf eine unmögliche Leistung gerichteten Schuldverhältnisses zu
erweisen, Rabel S. 6ff.
Freilich ist von seinen Ausführungen verschiedenes ab-
zuziehen. So ist ohne Beweiskraft die Benutzung des Unver-
mögens S. 7, 12 f. Nabels Forderung, daß bei Unvermögen
ein verurteilendes Erkenntnis dem Gläubiger muß gewährt
werden können, ist ja an sich ebenfalls richtig, aber Unver-
mögen ist eben nicht Unmöglichkeit. Vollends, wer die Ein-
rede aus entgegenstehendem Interesse anerkennt, wird Rabel
zustimmen, aber auch den Beweisversuch aus dem Unvermögen
als nicht zutreffend ablehnen müssen. Mit diesem Vorbehalt
glaube ich, soweit Unvermögen in Frage kommt, im wesent-
lichen Uebereinstimmung zwischen Rabel und mir annehmen
zu dürfen. Es bleibt nur die eigentliche Unmöglichkeit und da
wird Nabels Lehre durch den Unterschied zwischen Leisten-
sollen und Haftung widerlegt. Die Haftung ist das
Müssen. Müssen ist die Notwendigkeit, es gibt
aber keineNotwendigkeit eines Geschehens, wenn
die Notwendigkeit des Nichtgeschehens feststeht.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer