Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

Schuldübernahme.

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den mit dem Altschuldner kontrahierenden Dritten ist daher
nicht nur die bloße Erfüllungsübernahme, sondern
auch die zur Erfüllungsübernahme noch hinzu-
tretende Haftung gegenüber dem Gläubiger neben
dem forthaftenden Altschuldner regelmäßig günstiger als
die Schuld.übernahme im technischen Sinne, und er wird
sich demgemäß auch zu jener viel leichter entschließen als zu
dieser 227).
Nicht ohne Bedenken ist dagegen die bezeichnete Art der
kumulativen Haftung für den Altschuldner. Denn das
ihm durch seine Interessenlage nahegelegte Ziel, von seiner
Verpflichtung gegenüber dem Gläubiger frei zu werden, erreicht
er durch die Herbeiführung der kumulativen Haftung des Dritten
natürlich nicht. Ja, noch mehr: dadurch, daß diese tatsächlich
eintritt, wird ihm die Verwirklichung seines Zieles noch wesent-
lich erschwert 22b). Während ein Gläubiger, dem nur der Alt-
schuldner haftet, guten Grund haben kann, sich damit zufrieden
zu geben, daß an dessen Stelle ein Schuldübernehmer tritt,
wird er, nachdem er einmal des Vorteils teilhaftig geworden
ist, daß ihm für dasselbe Bekommensollen neben dem Alt-
schuldner noch ein zweiter Schuldner haftet, sich zur ersatzlosen
Freigebung des Altschuldners nicht leicht entschließen. Der
Absicht des Altschuldners wird also die vorhin erwähnte
Kumulativhaftung zumeist nicht entsprechen, und unbegründet
ist deshalb die, wie es scheint, ziemlich verbreitete Annahme,
daß in der auf Schuldübernahme im technischen Sinne ge-
richteten Absicht des Altschuldners die eventuelle Absicht
auf den Eintritt der vorhin beschriebenen kumulativen Haftung
mitenthalten sei. In Wahrung der beiderseitigen Interessen
227) Stammler, a. a. O. S- 207, 21L; Hellwig, Verträge
S. 179 bei Anm. 350; Reichel S. 245 f.
228) Dieser Punkt wird meist nicht genügend beachtet.
LVII. 2. F. XXI.

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