Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

306

Emil Strohal,

ist ihm durch die Rechtsordnung eine Anwartschaft auf Be-
friedigung seines Anspruchs aus dem Vermögen des Schuldners
und damit zugleich dasjenige Maß von rechtlicher Macht
zugesprochen, dessen er zur Rechtsverwirklichung bedarf"^).
Wie der Gläubiger diese Macht auszuüben, welche Mittel
er dabei in Verwendung zu bringen hat, findet seine Regelung
zwar nicht ausschließlich 120), aber doch überwiegend im Prozeß-
recht, vor allem in der ZPO. und in der KO. Gewährt ist
jedoch der prozessuale Schutz um des dem Gläubiger zustehenden
Privatrechts willen. Nur die A r t der Verwirklichung der
Haftung wird durch das öffentliche Recht bestimmt, die
Haftung selbst beruht auf der Privatrechts-
ordnung^i), und sie darf deshalb aus dem Obligations-
begriff nicht ausgeschaltet werden.
Der Wert der germanistischen Entdeckung des Unterschiedes
zwischen Schuld und Haftung für die Klarstellung des Ob-
ligationsbegriffs und für die Erkenntnis des Wesens der Schuld-
übernahme dürfte jetzt nicht mehr zu verkennen sein. Das alt-
119) Bergl. auch Puntschart, Schuldvertrag und Treugelöbnis
S. 208; Egger, a. a. O. S. 14st.; Siber, Rechtszwaug S. 255;
Geib, Rechtsschutzbegehren und Anspruchsbetätigung S. 159ff. (dazu jetzt
noch Degenkolb in JheringsJ. 56, 241). Die Verschiedenheit der Auf-
fassung Geibs von der Sibers und der Auffassung Sibers wieder
von der Eggers und Puntscharts kommt hier deswegen nicht in Be-
tracht, weil im Grunde genommen auch Siber die Rechtsmacht des Gläu-
bigers aus der mit der Schuld von selbst gegebenen Haftung des Schuldners
ableitet (vergl. Theorie von Schuld und Haftung S. 121). Eigentümlich
Schulz S. 226, der sich (bei Geldforderungen) neben dem Forderungs-
recht noch ein besonderes „Privatrecht" konstruiert, das er als „Befriedi-
guugsrecht" bezeichnet (S. 240; etwas anders die Formulierung auf S. 227).
120) Man denke nur z. B. daran, daß sich der Gläubiger durch Auf-
rechnung befriedigt.
121) Zur Theorie vom Rechtsschutzanspruch braucht hier nicht Stellung
genommen zu werden. Denn das im Texte Gesagte ist mit dieser Theorie
nicht nur nicht unvereinbar, sondern dürfte ihr sogar positiv entsprechen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer