Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

Schuldübernahme.

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Sei hier eine Lostrennung der Schuld von der Person des
bisherigen Schuldners möglich, so könne dieselbe Möglichkeit
bezüglich des Eintrittes einer Singularsukzession nicht mehr
bestritten werden. Es ist höchst befremdend, daß man hierauf
bis heute noch nicht die richtige Antwort gefunden hat. Sie
kann nur also lauten: Während im Falle der Universalsukzession
das Vermögen des Erblassers als ganzes derart auf den Erben
übergeht, daß den bisherigen Gläubigern des Erblassers, obschon
sie nunmehr den Erben zum Schuldner haben, doch dasselbe
Vermögen haftbar bleibt, das ihnen vor dem Erbfall haftete,
verhält es sich bei der rechtsgeschäftlichen Schuldübernahme ganz
anders. Bei ihr bleiben die Aktiven, mit denen der Altschuldner
dem Gläubiger bisher haftete, bei ihm haftfrei zurück, und tritt,
wennschon das, wofür gehaftet wird, sich grundsätzlich nicht ver-
ändert, an die Stelle der bisherigen Haftung des Vermögens des
Altschuldners die Haftung des Vermögens des Uebernehmers.
Es ist daher schwer begreiflich, wie aus der Gestaltung bei der
Universalsukzession ein Argument für die Annahme einer bei
der vertragsmäßigen Schuldübernahme eintretenden Sonder-
nachfolge in die Schuld gewonnen werden soll.
Ebenso beweisunkräftig ist aber auch die von den Ver-
tretern der herrschenden Lehre beliebte Verweisung auf das Recht
der Zession48). Unbedenklich kann zwar zugegeben werden,
daß der im reinen römischen Rechte noch nicht völlig ausgereifte
Gedanke der Sondernachfolge in das Forderungsrecht des
Gläubigers nicht nur in den modernen Kodifikationen, sondern
sckon im gemeinen Rechte zur Anerkennung und konsequenten
das Institut der Testamentsvollstreckung darauf beruhen, daß der Erbe die
Persönlichkeit des Erblassers ererbt? Für die Lehre von der Schuldüber-
nahme ist übrigens die ganze Frage ohne Belang.
48) Bergl. gegen die Parallelisierung von Schuldübernahme und
Zession bereits Bruns a. a. O.; v. Blume, Novation S. 105; Kipp
in JheringsJ. 36, 363.

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