Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

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Krückmann,

nicht in das BGB. gehört, für die also Moralphilosophie und
Moraltheologie ausschließlich zuständig sind. Es wird sich
aber nicht bestreiten lassen, daß unsere Rechtsordnung von der
Moral nur das rechtspolitische Motiv hergenommen hat, daß
die positive Anordnung aber juristisch-dogmatischer
Natur ist. Ist sie das, muß sie sich auch aus eine juristisch-
wissenschaftliche Formel bringen lassen, und diese wäre aller-
dings entweder die „Erfüllungswjrkung" einer solchen Leistung
mit vorausgesetzter naturali8 obligatio oder die bloße juristische
eau8a adquirendi des Empfängers. Jede einfachere und dem
juristischen System sich bequemer einordnende Formel ist will-
kommen zu heißen, aber unerläßlich ist, daß sie eine juristische
Formel sei, eine dogmatische, nicht nur eine rechtspolitische,
und da scheint mir die letzte Formel: juristische eau8a adqui-
rendi, die einzig einwandfreie zu sein. „Ersüllungswirkung"
ist aus naheliegenden Gründen bedenklich und darum wird
das Wort hier auch nur uneigentlich gebraucht. Der Ausdruck
natürliche, unvollkommene Verbindlichkeit trifft schon wegen
fa6ul1a8 alternativa, Erfüllung einer Bedingung, § 814 rc.,
nicht zu. Dagegen ist allen Fällen, auch der natürlichen Ver-
bindlichkeit und den Fällen des § 814 rc. gemeinsam die A n-
n a h m e b e f u g n i s des Empfängers. Wir haben unter
der Suggestivwirkung des römischen Rechts bisher die Sache
immer von der unrichtigen Seite her angesehen, wir sahen
auf die vermeintliche Pflicht des Gebers und mußten auf die
selbständige Annahmebefugnis des Empfängers sehen. Nur
diese selbständige Annahmebefugnis des Empfängers, die Be-
fugnis zu rechtswirksamer Entgegennahme, macht den Rechts-
erwerb formell und materiell unanfechtbar, gibt ihm die ihn
rechtfertigende juristische causa. Allgemeiner gesprochen mit
Ausschaltung aller Vorstellungen von Pflicht und Leistung:
Die juristische Rechtfertigung liegt in einer besonderen selbständigen

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