Full text: Volume (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

Nachlese zur Unmöglichkeitslehre.

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ihnen folgt, daß das Recht des Gr unmittelbar gegen S sich
nicht mit einem Lerweigerungsrecht des 8 verträgt, folglich
nicht besteht. Aber diese von Holder später selbst aufgegebene
Schlußfolgerung ist haltbar nur, soweit wir mit ihr auf dem
ganz unjuristischen Gebiet bleiben und die besonderen Formen,
in denen Recht und Gegenrecht auftreten, außer acht lassen.
Sie leidet noch an dem anderen Fehler, daß auch das Ler-
weigerungsrecht des 8 durch das Forderungsrecht des Gr ver-
nichtet, ausgeschlossen re. sein muß, daß beide Teile also
nichts haben. Was dem Einen recht ist, muß dem Anderen
billig sein und wer der Gegenwirkung des von dem anderen
Teil ausgehenden Rechtes unmittelbare Wirkung auf das gegen-
überftehende Recht zuspricht, muß diese unmittelbare Wirkung
beiden Rechten zusprechen. Damit kämen wir gerade zur
Verneinung jeglicher Beziehungen zwischen beiden Parteien,
weil diese Beziehungen ja nach Holder juristische sein sollen,
diese aber sich wechselseitig erschlagen und vernichten. Ver-
nichtete Beziehungen sind aber nach H ö l d e r s eigenem Gedanken-
gang nicht mehr vorhanden, folglich stehen sich Gr und 8 ohne
jede Beziehung gegenüber. Das Gegenteil aber ist wahr und
wird durch jeden Prozeß bewiesen, in dem zwar die Tat-
bestandsgrundlage des Gegenrechtes zur Erscheinung kommt,
das Gegenrecht aber nicht ausgeübt wird.
Noch unleidlicher wäre die Vorstellung, daß das Gegen-
recht stärker als das Forderungsrecht sei. Dann bliebe es
nach Vernichtung der Forderung sozusagen noch am Leben
und stände dem gewesenen Schuldner zu ohne entsprechendes
Gegenstück, folglich auch ohne Inhalt, also ins Blaue hinein,
gewissermaßen abstrakt, darum aber auch vollständig denaturiert.
Das Gegenrecht ist nur als konkretes, das gegen eine bestimmte
Forderung gerichtet ist und von ihr seinen Inhalt empfängt,
denkbar, denn der Schuldner soll nur eine ganz bestimmte
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