Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 57 = 2.F. 21 (1910))

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Krückmann,

Ingleichen scheidet auch aus, was an Beweisschwierig-
keiten einer Forderung gefährlich werden kann. Wird die
Forderung nicht bewiesen, so ist sie einfach prozessualisch nicht
da, und weil sie nicht da ist, taucht für uns die Frage, ob
Müssen, Notwendigkeit des Geschehens, vorliegt oder nicht,
gar nicht auf.
Ganz anders und viel erheblicher ist folgender Einwand.
Juristische Möglichkeit der Forderung müsse mit juristischer
Möglichkeit der Leistung, juristische Unmöglichkeit der Forderung
müsse mit juristischer Unmöglichkeit der Leistung zusammen-
hängen. Die Undenkbarkeit der auf eine unmögliche Leistung
gerichteten Forderung müsse logisch-juristisch sein und darum
müsse die Notwendigkeit des Nichtgeschehens eine juristische,
aber auch umgekehrt die Notwendigkeit des Geschehens eben-
falls eine juristische sein. Dies widerlegt sich durch die Er-
wägung, daß das Müssen in der Tat auch ein juristisches
Müssen ist, insofern der Gläubiger den widerspenstigen Schuldner
im Wege Rechtens von Punkt zu Punkt weiter treiben kann,
bis für den Beklagten keinerlei juristische Gegenwebrmaßregeln
mehr möglich sind, alle von ihm sonst zur Verteidigung anzu-
wendenden Mittel nur noch unjuristische sein können, also offener
Ungehorsam gegen das Gesetz. Gegen das vollstreckbare rechts-
kräftige Urteil gibt es nur noch unjuristische Verteidigung in
Form der mehr oder minder offenen rechtswidrigen Auflehnung
gegen das Gesetz, des Ungehorsams gegen das Recht. Dieser
Ungehorsam wird aber im Notfall direkt gebrochen (z. B. der
Gerichtsvollzieher läßt sich die von dem Schuldner verschlossen
gehaltene Wohnung öffnen), wird überdies auch unter Um-
ständen durch Strafe unterdrückt. Jede unjuristische Verteidigung
löst sofort eine juristisch gerechtfertigte weitere Handlung, sei
es des Gläubigers, sei es der Vollstreckungsorgane aus. Aller
gegen den Schuldner geübte Zwang ist nicht bloß äußerlich

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