Full text: Volume (Jg. 15 (1852))

Verzugszinsen, und würden als sosche von der kurzen Ver-
jährung nicht betroffen.
In dieser Ausführung des Ober-Tribunals so wie
in den Entgegnungen von Boren (Wochensch. 1847 S. 341.)
und Lenz (Studien und Kritiken S. 295.) dürste indeß
der richtige Gesichtspunkt verfehlt sein.
Allerdings inus; zugegeben werden, daß das ursprüng-
lich zinsbar angelegte Kapital durch den einzctrctenen Ver-
zug des Schuldners die Eigenschaft einer quasi fruchttra-
genden Sache nicht verliert, sofern solches nicht etiva kon-
tractlich verabrevet ist; denn gesetzlich ist dem Verzüge
des Schuldners die Wirkung, die Obligation aus dem
Zinsvertrage aufzuhebcn, nicht beigelegt.
Allein welchen Einfluß hat umgekehrt diese fortdauernde
Verbindlichkeit aus dem Zinsversprechen auf Entstehung
und Umfang der gesetzlichen Verbindlichkeit aus der „,<>ra
des Schuldners? Wird, so weit die Objecte beider identisch
sind, die letztere durch erstere ausgeschlossen? Das sind die
Fragen, die hier nochmals besprochen werden sollen.
Das Obertribnnal glaubt letztere Frage schon des-
halb bejahen zu müssen, weil dem Gläubiger, so weit er
durch die Forderung aus dem Zinsversprechcn gedeckt ist,
durch den Verzug des Schuldners gar kein Schaden ent-
stehe. Dies Argument ist aber eben so uujuristisch als
wenn man im gemeinen Leben sagt: der Eigenthümcr eines
versicherten Gebäudes erleide durch dessen Einäscherung
keinen Schaden, weil er vom Versicherer Vcrgütigung zu
fordern hat; oder: der Deponent, dessen Sache beschädigt
wird, erleide keinen Schaden, sofern der Depositar nach
dem Inhalte des Kontracts dafür aufkoinmen muß. Diese
Beispiele werden genügen, um den im obigen Argument
enthaltenen Jrrthum klar zu machen.
Erleidet aber der Gläubiger durch Nichtzahlung deS
fälligen Kapitals unbedingt eine Nechtsverletznng also einen

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