Full text: Volume (Jg. 15 (1852))

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flcn Gesetze nicht in Einklang bringen, und bejahen nur
den Todtschlag. Der Gerichtshof will aber das Urteil dem
objectiven Rechte wieder naher führen, und erkennt trotz
der mildernden Umstände ein sehr hohes Strafmaaß. —
Es liegt ein gewaltsamer Diebstahl vor, aber unter den
subjectio und objectiv mildesten Umständen; die Geschwor-
nen fürchten, daß die Richter in dem Strafmaaß zu hoch
gehen und bejahen nur den einfachen Diebstahl. Der Ge-
richtshof wählt nun ein hohes Strafmaaß für den einfachen
Diebstahl, trotz der mildernden Umstände, da seiner Ansicht
nach die Strafe des gewaltsamen Diebstahls hätte eintre-
ten mülsen. Dieser letztere Fall kann ähnlich in umge-
kehrter Weise Vorkommen. In dein Resultate entspricht
nun die Strafe selbst vielleicht den Ansichten beider Eolle-
gien: aber das Urteil bleibt hinsichtlich deö objectiven
Thatbestandes und der subjectiven Strafbarleit gleich falsch.
Wenn die Geschwornen nur mit 7 gegen 5 Stimmen
das Schuldig aussprechen, so sollen die Richter entschei-
den. Für diesen Fall scheint nun wirklich ein Austausch
der Ansichten stattznfinden und die innere Einheit des Ur-
teils hcrgcstellt zu sein. In der That tritt aber hier erst
recht das Gegentheil ein, wie denn das halbe Annähern
selbstredend den Grundfehler nicht heilen kann. Es ist be-
kanntlich ein Principienstreit, ob in jenem Falle die Richter
als selbständige Geschworne entscheiden sollen, oder ob
sie nur durch ihre Majorität in dem Ausspruche der Ge-
schwornen eine absolutere Majorität Herstellen sollen. Nimmt
man Ersteres an, so stellt man die Richter über die Ge-
schwornen, und findet in ihrem Aussprache eine höhere
Garantie; dies vorausgesetzt, darf man aber niemals
Geschworne zuziehen. Läßt man die Richter dagegen »ur
Zur Ergänzung der Majorität der Geschwornen urteilen,
so darf man versichert sein, daß man den beabsichtigte»
Zweck auf diesem Wege nicht erreicht. Eine solche Ergän-

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