Full text: Volume (Jg. 15 (1852))

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nen diese in ihren Wechselvorträgen gegenseitig berichtigen,
und das Vergessene könnte der Präsident dann noch an«
führen, wenn es im einzelnen Falle nothwendig wäre. Es
schadet aber immer. Gegen die unrichtigen thatsächlichen
Anführungen des Präsidenten gibt es nämlich gar kein
Heilmittel: weder der Staatsanwalt noch der Defensor
können nach dem Resümv das Wort ergreifen"'), noch
weniger aber die Geschwornen-Richter, die bei allen diesen
Verhandlungen merkwürdiger Weise als der leidende, un-
selbstständige Theil erscheinen. Von absichtlich unrichtigen
Anführungen ist hier nicht einmal die Rede; sondern nur
von denjenigen, die auf einem Irrthume oder auf Aus-
drücken beruhen, die der Mißdeutung unterliegen. Der-
gleichen Jrrthümer kommen vor, und sind um so erklär-
licher, als der Präsident beim Resume schon abgespannt
ist und jedenfalls, eben weil er die Verhandlung selbst
geleitet hat, die Einzelnhciten nicht so objcctiv und ruhig
auffassen konnte, wie jeder Andere. Auch hat sich der Prä-
sident auf das Resüme meistens schon früher aus den
Acten vorbereiten müssen, so daß sich dasselbe der eigent-
lich mündlichen Verhandlung weniger scharf anschließt. Die
Geschwornen aber werden durch solche Unrichtigkeiten um so
eher irre geleitet, als sie glauben können, der Präsident
ergänze die Lücken der mündlichen Verhandlung aus den
Untersuchungs-Acten, und als sie auch in ihm den schein-
baren Schiedsrichter zwischen den Anführungen des Staats-
anwalts und des Defensors erblicken.
Gefährlicher noch wird das Resumö, weil der Prä-
sident demselben immer eine bestimmte Farbe geben muß
und zwar in einem höhern Grade, wie seinen Vernehmun-
gen. Wir meinen nicht, daß er seine Ansicht geradezu aus-
spreche: das würde sehr wenig schaden; aber das halbe

') In England ist dies anders.

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