Volltext: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

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treffen ließe. Jedenfalls scheint eS nothwendig, die Consti-
tuirung des Geschworncn-Collegs ohne Beisein des Publi-
kums und der Geschwornen vorzunehmen. —

Der Eid der Geschwornen.
Es berührt gewiß Jeden unangenehm, wenn mit der
neuen Sache auch ein neues Dutzend Eide von den Ge-
schwornen erhoben wird. Diese leichte Vervielfältigung
der Eide vor dem Publicum kann keine guten Früchte tra-
gen*). Es berührt aber noch unangenehmer, wenn die
Männer, welche nach so vielen Ausmahlungen als die
Besten des Volkes endlich zu Richtern hingestellt werden,
mit einem promissorischen Eide erst bekräftigen müssen,
daß sie nicht das Unrecht, sondern das Recht erkennen
wollen. Aber am unangenehmsten berührt es gewiß, wenn
bisweilen daS Verbiet so lautet, daß man unwillkührlich
an den vor wenigen Stunden geleisteten Eid zurückdenkcn
muß. Wir verwahren uns, irgend Jemanden zu nahe
treten zu wollen; indessen wir sehen die Dinge wie sie sind.
Es kommen in factisch unzweifelhaften Sachen Verbiete
vor, die mit dem Eide unvereinbar lauten. Bei Eigen-
thumsverletzungen ist dies freilich niemals der Fall, weil
hier das gleiche Interesse des Staats und des Einzelnen
zu deutlich hervor tritt. In politischen Parteifragen jeder
Art kommt es aber häufig vor; die Geschwornen stellen
sich dabei gar leicht nach ihrer Oppositions- Natur über
das Gesetz. ES kommt auch vor bei Verbrechen, für welche
schwere Strafen, namentlich Todesstrafe, angedroht sind; hier

*) 3n dem neuen Entwürfe der Strafprozeß-Ordnung, sowie
in dem Kommissions-Berichte der II. Kammer über die
Verordnung äe 3. Januar 1849 wird auch die Gesammt-
Vereidigung aller Geschworenen vorgeschrieben.
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