Full text: Volume (Jg. 15 (1852))

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alle ohne Bedeutung und konnten ihren Inhaber zwar
wohl zu einem Dynasten, aber zu keinem Fürsten mit
Landeshoheit machen.
Dieser, lange Zeit hindurch gewißermaaßen nur fak-
tische, Rechtszustand erhielt die erste Sanktion durch die
bekannten Constitutionen Friedrichs II. von 1220 für die
geistlichen und von 1232 für die weltlichen Fürsten^),
wodurch der Kaiser denselben die fraglichen königlichen
Rechte nicht sowohl verlieh als die durch einzelne Zuge«
standnisse oder durch Anmaaßung erworbenen Befugnisse
bestätigtest). Zwar wurden durch jene Constitutionen
die geistlichen und weltlichen Fürsten noch keine Landes-
herren im späteren Sinne deS Worts; der Ausdruck
Landeshoheit, superioritas territorialis, kömmt
vielmehr gar nicht darin vor^W). Jndeß hatten sie doch
nun schon ein generell anerkanntes Recht zur Ausübung
derjenigen Befugnisse der königl. Gewalt, welche zum
Wesen der Landeshoheit unentbehrlich sind. Ein bestimm-
ter Begriff der letzten eristirte damals noch nicht, es
konnte also auch kein klares selbstbewußtes Streben nach
derselben vorhanden seyn. Jeder sah nur vor Augen, wie

260) Schmaus; Corp. jur. publici, acadcmic. Lipsiac 1794
p. 4. 6. und (Senckenberg) Sammlung der Reichs-
Abschiede I. -S. 15. und 17.
261) Putter Beiträge zum Staats - und Fürstenrechte Bd. 1.
S. 115. Hüllmann Stände S. 359. Eichhorn
Rechtsgesch. § 238. und besonders 29 9. wo die ältere
Landeshoheit am genauesten beschrieben ist.
262) Eg heißt zwar in der Constitution v-n 1232 : Centum-
gravii recipiant cenlas ä domino terrae vcl ab eo,
qtii per dominum terrae fuerit infeodatus. Locum
centac nemo mutabit sine consensu domini terrae.
Allein die hier gedachten Herren des Landes waren etwas
ganz anderes als unsere Landesherren. Höchstens könnte
vlan annehmen, daß jener Ausdruck die Quelle der letzten
Bezeichnung geworden.
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