Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

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Gefolge; die Veräußerung aller königlichen Fiscal-Gntcr
an geistliche und weltliche Große, welche den Kaiser der
Mittel beraubte, sein Ansehen durch Beamte und Krieger,
durch die Pfalzgrafen und Vögte nämlich, welche jene
Güter verwaltet und die Amtsführung der Herzoge und
Grafen controlirt hatten, im Reiche geltend zu machen;
die immer zunehmende Abschwächung der kaiserlichen Macht,
durch solche innere Zersetzung ihrer Elemente; der dadurch
nothwendig bedingte, ungünstige Verlauf fast sämmtlicher
auswärtiger Kriege; alles dieses brachte die höheren und
«Lederen Reichsbeamten allmählig in eine falsche Stellung
zum Reichs-Oberhaupte; indem sie, jeder nach seinem
besten Können, so viele kaiserliche Rechte an sich brach-
ten, als eben thunlich war und deshalb vom Volke in
manchen Provinzen, als die alleinig« Quelle aller Macht
betrachtet wurden, während man außer dem Titel und
Namen, kaum noch etwas vom deutschen Könige wußtet).
Auf solche Weise erlangten geistliche und weltliche Große,
je nachdem sie von Talent, Macht und Glück begünstigt
wurden, unter allerlei Benennungen herrschaftliche Ge-
biete von größerem oder geringerem Umfange und insofern
verschieden, alle aber dadurch gleich, daßHie Herren inner-
halb derselben königliche Rechte, Regalien im weiteren
Sinne, ausübten und diese durch Lehn- und Dienst-Mannen
zu stärken und zu schützen wußten. Die wesentlichsten
dieser Rechte waren Gerichtsb arkeit und Heerbann;
andere, wie Münze, Geleit uud was man später sonst
noch zu Regalien rechnete, waren entweder in jenen mit-
begriffen oder wurden, weil sie mehr Ehre als Gewinn
abwarfen, minder gesucht und geübt. Ohne Civil- und
Militairgewalt, ohne Comitat und Heerbann waren sie

259) Struben vom Ursprünge der Landeshoheit in Deutsch-
land; in dessen Nebenstunden. IV. S. 71.

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