Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

30Ü

lassen und nur de lege ferenda gedachter Ausführung
beifallen
ES kommt hier zunächst auf das Gesetz vom 23.
Juli 1847 an.
Die Emancipatio» der Juden, die durch diese Ver-
ordnung bewirkt sein soll, scheint uns selbst vom Stand-
punkte des Edikts vom 11. März 1812. aus betrachtet,
eine sehr wenig bedeutende zu sein. Die Vertreter der
Krone behaupteten zwar fortwährend, die Absicht der Ge-
setzesvorlage sei dahin gerichtet, die Wohlthaten des Edikts
von 1812. aus die neuen und wieder erworbenen Provin-
zen auszudehnen. Diese Wohltdaten waren indeß, trotz
der ausdrücklichen Gewährleistung durch den deutschen
Bund, schon im Entwürfe so sehr beschnitten, daß man
die politische Tendenz dieser Gesetzgebung mit Recht in
beiden Curien eine rückschreitende nennen konnte.
Nach dem Edikt von 1812. war durchweg die
Gleichstellung der Juden mit den Christen erreicht. Durch
§. 1. war ihnen daö Staats-Bürgerrecht beigelegt, der
tz. 7. gab ihnen gleiche bürgerliche Rechte und Pflichten,
§. 8. gewährte ilmen die Canditatur zu akademischen
Lehr- und Schul-, so wie zu Gemeinde-Aemtern und
§. 20. stellt ihre privat recht lichen Verhältnisse
unter die allgemeinen Gesetze.
Dieser Weg der Gleichheit ist in dem Gesetze vom
23. Juli 1847 verlassen. Don öffentlichen Aemtern, von
Ausübung ständischer Rechte, von der Kommunal-Ver-
tretung, dem Patronate sind dadurch die Juden überall
ausgeschlossen worden.
Nirgends läßt sich das frühere Staatsbürgerthum,
die politische Emancipation erkennen. Darf sogar nach
8. 2. dieser Verordnung ein ungetanster Spinoza nicht
die Gesetze des Denkknö und ein weiser Nathan nicht die
Geschichte seines Volkes, selbst nicht die vorchristliche, vom

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer