Full text: Volume (Jg. 15 (1852))

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politischen Wahlen machten, das unerquickliche Treiben und
die Vekennrnißlosigkeit so vieler freien Gemeinden, war in
der Thal nicht geeignet, die Regierung zu solchen schleuni-
gen Wahlen zu veranlassen. Da nun aber doch fortwährend
in der Kirche regiert werden muß, der Staat inzwischen die
Kirchen-Regierung abgegeben hatte, so erklärte man die geist-
liche Abtheilung des Ministeriums als unabhängigen evan-
gelischen Oberkirchen-Rath, der collegialisch ohne die sonstige
entscheidende Mitwirkung des CultuS-Ministers die kirchlicheu
Sachen verhandelt. Dem König ließ man die Kirchengewalt,
nicht als Landesherrn, sondern weil er, wie schon die
Reformatoren gesagt, das vorzüglichste membrum
ecclesiae war. Natürlich kann dies nur, und soll auch
nur ein Interimistikum sein. Hiedurch findet sich nun die
in so eigenthümlicher Weise vom Landesherrn eingeführle
Union bedrängt, zumal die Unterdrückung der lutherischen
Kirche jetzt naturgemäß aufhören muß, und sie namentlich
in Pommern schon wieder gesetzlich anerkannt ist, von einer
ferneren Duldung dieser ältestberechtigten der evangelischen
Kirchen durch ein bloßes Toleranz-Patent, nie wir eins vom
21. Juli 1845) haben, nimmer mehr die Rede sein kann. —
Dieser Zustand der Dinge hat denn die eben genannten sechs
evangelischen Geistlichen bewegen, die vorliegende Petition
an die zweite Kammer von 1851 zu richten. Eine ähnliche
Petition aus Breslau ward in der Sitzung vom 8. Februar
1851 durch die einfache Tages-Ordnung — und vorzüglich
mittelst der Stimmen der katholischen Mitglieder, welche diese
Angelegenheiten nicht vor die Kammer gehörig hielten, —
beseitigt. Tie oben angeführten sechs würdigen Geistlichen
— von denen Svdcw bekanntlich vor mehreren Jahren zur
Begutachtung des bischöflichen Kirchenregiments nach England
geschickt ward, und im Jahre 1848 als redlicher Abgeordneter
zum Verdruß der unzurechnungsfähigen Berliner Straßen-
demokraten fungirte, — haben jenen Antrag nun wieder

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