Volltext: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 15 (1852))

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mit ihnen gemacht; kurz Las Lehnsystem bildete fich zu einer
vollständigen Hierarchie aus, welche ihre Wurzeln durch alle
Stände, von den obersten bis in die untersten hineintrieb.
An die Stelle des Bandes, wodurch früher gemeine Ehre und
Freiheit den Staat in Fürst und Voll zusammengehalten,
trat nun das Lehnband, welches nur Herren und Vasallen
kannte und somit den einzelnen Freien nöthigte, sich ihm ent-
weder auch durch Aufttagung seines Eigens zu fügen oder
doch die Volksversammlung, worin er immer weniger bedeu-
tete, zu meiden.
So wie sich aber die Erblichkeit der Lehne einschlich, ging
alle Centralkraft, welche die König!. Gewalt aus diesem schein-
bar so fest gegliederten Systeme zog, allmählich wieder ver-
loren. Das Obereigenthum des Königs, obwohl nach und
nach durch Verleihung und Auftragung ^>er Güter fast über
den ganzen Staat verbreitet, zerfloß in einer Idee; da- nutz-
bare Eigenthum der Kronvasallen entzog dem Könige die
Mittel, sein Obereigenthüm geltend zu machen. Alle eigent-
liche Hvheitrechte desselben fielen in die Hände jenes hohen
Adels , der dadurch in späterer Zeit die Landeshoheit erwarb.
Die Landesherrn hinwieder verloren einen großen Theil der
vom Kaiser abgeleiteten Rechte an ihre Untervasaöen, welche
als Landstände die Landesherrn möglichst zu beschränken such-
ten. Auf solche Weise kam eS zuletzt dahin, daß der Kaiser
der ärmste Herr im Reiche wurde, indem er sogar das Erb-
recht auf die Krone verlor und die Rechte derselben nur
dann geltend machen konnte, wenn ihm seine Fürstenland
oder Privatbesitzungen dazu die Mittel gaben. Die Er-
oberunglust der fränkischen Könige hatte also daS Volk seiner
demokratischen Rechte nur beraubt, um sie mit ihren eigenen
Kronrechten an einzelne aristokratische Stände zu verlieren.

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