Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Wilhelm Kisch,

Bewirkung seiner Leistung den Ersatz als Surrogat der Leistung
des anderen Theiles anzunehmen."
Allein beide Fälle decken sich in der hier wesentlichen Be-
ziehung, daß an Stelle des ursprünglichen Schuldgegenftandes
ein anderer tritt. Das Motiv, weshalb dieser letztere dem
Gläubiger zugesprochen wird, ob wegen Verschuldens ckes
Pflichtigen oder nicht, ob aus Erwägungen der Gerechtigkeit
oder der Billigkeit, erscheint dabei völlig unerheblich. Auch
hängt es in beiden Fällen gleichmäßig von dem Belieben des
Gläubigers ab, ob er den neuen Leistungsgegenstand. Surrogat
bezw. Schadensersatz, annehmen will oder nicht. Weder nach
§ 323 Abs. 2 noch nach § 325 Abs. 1 B.G.B. dauert das
synallagmatische Verhältniß mit absolut bindender Kraft für
die Vertragstreue Partei fort. Sobald sich aber diese dafür
entscheidet, die in ihrem Inhalt veränderte Leistung des Schuld-
ners zu verlangen, muß die Frage, was aus ihrem eigenen
Entgelte werden soll, für beide Fälle gleich entschieden werden.
d) Eine weitere Analogie ergiebt sich aus § 323 Abs. 1
S. 2 in Verbindung mit § 473 B.G.B. Wird nämlich die
Leistung des Schuldners durch Zufall theilweise unmöglich,
und läßt sich diejenige des Gläubigers nicht mindern, so ist
die letztere in vollem Umfange zu bewirken, und das zuviel
Geleistete durch Geld auszugleichen. Diese Behandlung ent-
spricht nicht immer den Absichten des Gläubigers, der hierdurch
gezwungen ist, seine gesammte Leistung für einen Theil der
gegnerischen zuzüglich eines bestimmten Geldbetrages zu bewirken.
Wäre daher nach dem B.G.B. die Auffassung richtig, daß mit
der Vereitelung des Austauschzweckes das ganze gegenseitige
Dertragsverhältniß aufhört, so würde gerade in dem bezeich-
neten Falle der Gläubiger grundsätzlich von seiner Verpflichtung
befreit sein müssen. Denn hier wird ihm ebenfalls gerade das
nicht gewährt, was er sich durch den Kontrakt hatte ver-

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