Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Schadensersatz wegen Nichterfüllung bei gegenseit. Verträgen. 71
Nach dem einen ist eine besondere Aufrechnung der gegenüber-
stehenden Beträge erforderlich; nach der anderen ist eine solche
undenkbar, da von vornherein nur die Differenz als Schadens-
ersatz geschuldet ist. Indessen kann auch nach der herrschenden
Ansicht die Kompensation ausgeschlossen sein, wenn z. B. der
Schuldner vor Entstehung seiner Schadensersatzpflicht den An-
spruch auf die Gegenleistung, z. B. den Kaufpreis, an einen
Dritten abgetreten oder infolge einer Pfändung eingebüßt
hatte (§§ 392, 406 B.G.B.) ^). Hier hat der Gläubiger dem
Dritten den vollen Entgelt zu zahlen, während er vom Schuldner
Entschädigung für die ganze unmögliche oder verzögerte Leistung
beansprucht. Nach der anderen Auffassung dagegen muß der
Dritte mit der Unmöglichkeit oder dem Verzug das ihm ab-
getretene Recht auf die Gegenleistung des Gläubigers verlieren,
welcher seinerseits von dem Schuldner nur die Differenz ver-
langen darf.
Weitere Verschiedenheiten. Nach der ersterwähnten Theorie
stehen sich Entgelt und Entschädigung in synallagmatischem
Verhältniß gegenüber. Tritt daher nachträglich auf Seiten
des Gläubigers Unmöglichkeit oder Verzug ein, so finden die
Vorschriften der §§ 323—327 B.G.B. Anwendung, d. h., je
nachdem die Unmöglichkeit zufällig oder von einem Theile zu
vertreten ist, wird der Entschädigungspflichtige vollständig oder
theilweise befreit (§ 323 Abs. 1, 2), oder er ist, trotz der ver-
lorenen Gegenleistung, zur Fortentrichtung des vollen Schadens-
ersatzes verpflichtet (§ 324), oder er erlangt schließlich die Be-
fugniß, nunmehr selbst von dem Vertrage zurückzutreten oder
Entschädigung zu verlangen (§§ 325, 326 B.G.B.) s). Die
gegnerische Meinung bietet für die angeführten Vorschriften
4) Vergl. Schöller, Bd. 44 S. 6io.
5) Vergl meine Schrift über Unmöglichkeit, S. 134, und unten IV.
Zifs. S.

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