Full text: Volume (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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Regelsberger,

2) Von anderer Wirkung war die Besitzvermittlung durch
sonstige Geschäftsführer.
Wenn Jemand für einen Anderen eine Sache erwarb, ohne
in dessen Gewalt zu stehen oder dessen Vormund oder Pro-
kurator zu sein, so wurde zunächst er Besitzer (und Eigenthümer)
der ihm übergebenen Sache, dies selbst dann, wenn er den
Erwerb im Auftrag des Anderen gemacht hatte. Oallistr. L. 59
A. R. D. 41, 1: Res ex mandatu meo emta non prius
mea fiet, quam si mihi tradiderit, qui emit.. Pap. L. 3
§ 1 qui pot. 20, 4; C. 2 de his qui a non domino 7, 10
(Alex.). Auch bei Anschaffungen eines Gesellschafters für die
Gesellschaft galt dies (L. 74 pro soc. 17, 2). Und wenn der
Geschäftsführer eine Sache vom Nichteigenthümer erhalten
hatte, aber im Vertrauen auf dessen Berechtigung, so hatte er
den Ersitzungsbesitz bis zur Uebertragung der Sache an seinen
Auftraggeber (L. 13 § 2 de usurp. 41, 3).
Der Grund dieser unvollkommenen Besitzvermittlung liegt
nicht in einer geschichtlichen Besonderheit des römischen Rechts,
sondern in dem natürlichen Zusammenhang, der zwischen der
Besitzübergabe und dem zu Grunde liegenden Erwerbsgeschäft
(causa) besteht. Es ist ein weitgreifender Fehler der heutigen
Besitzlehre, daß sie den Besitzerwerb zu sehr als einen Rechts-
vorgang für sich behandelt. Der Besitz ist nur Mittel zum
Zweck, er wird übertragen zur Herbeiführung eines anderweilen
materiellen Erfolgs, um zu schenken, um ein Pfand zu geben,
um zu leihen u. s. w. Aus dem Grundgeschäft ergiebt sich
die Art des Besitzes (possessio oder Detention, Eigenbesitz.
Nutzbesitz u. s. w.); aus dem Grundgeschäft ergiebt sich auch die
Person des Erwerbers. Bildete die Besitzübertragung die Aus-
führung eines obligatorischen Erwerbsgeschäfts, z. B. eines
Kaufs, so wurde durch die Uebergabe der Sache Besitzer, wer
aus dem Grundgeschäft zur Forderung der Uebergabe berechtigt

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