Volltext: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

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RegelSberger,

Also die Fälle, in denen eine Person nur als ein mecha-
nisches Erwerbswerkzeug in der Hand eines Anderen beim Be-
sitzerwerb mitwirkt ^), scheiden aus unserer Betrachtung aus.
Nur sei jetzt schon bemerkt, daß zu dieser Gruppe die Besitz-
gehülsen im Sinne des B.G.B. § 855 nicht gehören.
III. Die Entwickelung im römischen Recht^).
Schon in früher Zeit konnten in Rom Sklaven und
Hauskinder für ihre Gewalthaber Besitz erwerben (Gai. II, 89).
Das war dem Besitzerwerb nicht eigenthümlich, auch Eigen-
thum, Forderungen und andere Rechte gingen durch diese Ver-
mittelung auf die Gewalthaber über. Aber abweichend vom
Erwerb der genannten Rechte war der Erwerb des Besitzes
dadurch bedingt, daß der Gewalthaber vom Erwerb des Sklaven
oder Hauskinds Kenntniß hatte und ihn nicht ablehnte. Nur
bei Anschaffungen der Gewaltunterworfenen für ihr Pekulium
ging der Besitz auf den Gewalthaber ohne sein Wissen und
Wollen über. Den letztgenannten Satz bezeichnen die römischen
Juristen als eine Ausnahme vom Prinzip, utilitatis causa
jure singulari receptum (Pap. L. 44 § 1 poss. 41, 2;
dazu Paul. L. 1 § 5 eod., Jul. L. 7 § 8 pro emt. 41, 4).
Dagegen galt auch für den Besitz die Regel: per liberas
personas, quae in potestate nostra non sunt (sive: per
extraneam personam) adquiri nobis nihil potest (Gai. II,
95, Paul. V, 2 § 2, andere Beweisstellen bei Schloßmann,
a. a. 0. S. 49).

2) Ihnen widmet eine eingehende Untersuchung Kniep, Der Besitz
des B.G.B., S. 2H—220, 232 fg., doch sind seine Aufstellungen nicht
durchgängig beifallswürdig.
2») Schloßmann, Der Besitzerwerb durch Dritte, 1881; MitteiS,
Die Lehre von der Stellvertretung (1885), S. 51 fg.

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