Full text: Jherings Jahrbücher für die Dogmatik des bürgerlichen Rechts (Bd. 44 = 2.F. 8 (1902))

Ueber Besitzerwerb durch Mittelspersonen. 395
sobald es dem Kind ausgehändigt ist. Warum? Weil sie in
diesem Augenblick die thatsächliche Gewalt über das Brot er-
langt hat. Wegen der Gewöhnung des Kindes an Gehorsam
gegen die Befehle der Mutter ist dieser der Besitz nach normalen
Verhältnisien schon mit der Uebergabe des Brotes an das
Kind gesichert. Das Kind ist nur mechanisches Erwerbswerk-
zeug für die Mutter, nicht anders — sit venia comparationi
— als ein gut abgerichteter Hund. Das Kind ist nur der
verlängerte Arm der Mutter.
In einem solchen Fall schiebt sich zwischen den Veräußerer
und Erwerber kein selbftwollendes Subjekt. Es steht daher
dieser Erwerb unter den Regeln des unvermittelten Besitz-
erwerbs.
In mechanischer Weise wirkt ferner mit der Wächter in
L. 51 de poss. 41, 2, den der Käufer eines im Freien
stehenden Holzstoßes zur Bethätigung seines Erwerbs aufstellt.
Erst durch diese Aufstellung wird der Erwerb vollendet, denn
der Besitz ist ein auf Dauer angelegter Zustand, der durch
einen einer Welle vergleichbaren Vorgang nicht begründet
werden kann. Aber so wichtig auch der Dienst des Wächters
ist, er ist nicht mehr als Handlanger, auf sein Wissen und
Wollen in Bezug auf den Besitzerwerb kommt nichts an.
Freilich scheint der Schlußsatz der L. 51 cit. einer anderen
Auffassung Raum zu geben. Allein der Jurist spricht von der
P088688i0 animi quodam genere aestimanda nur im Gegen-
satz zu der überkommenen grobsinnlichen Anschauung des eigenen
körperlichen Handelns').
Ebenso der Briefüberbringer in L. 65 pr. A. R. D. 41,1
(Labeo-Paulus), der sofort die Antwort eingehändigt erhält.
i) Von der Stelle handelt ausführlich Hirsch, Sachbesitzerwerb,
S. 139—147.

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